Das Stanford-Prison Experiment
Erschienen am 8.7.10 19:10 Uhr in der Kategorie Sonstiges.
Das von Philip G. Zimbardo durchgeführte Experiment schuf eine neue „soziale Realität“ und musste nach nur 6 Tagen abgebrochen werden.
Das Stanford-Prison Experiment ist wohl eines der bekanntesten Experimente der Psychologie. Das Experiment wurde 1971 durchgeführt und sollte menschliches Verhalten in der Situation der Gefangenschaft aufzeigen. Auf eine Zeitungsanzeige hin wurden 24 Studenten aus der Mittelschicht gesucht. Sie alle wurden psychologischen Vortests unterworfen und es stellte sich heraus, dass alle Teilnehmer psychisch und körperlich in gutem Zustand waren. Sie alle unterschrieben einen Vertrag, dass sie während des Experimentes auf einige ihrer Menschenrechte verzichten würden. Für nur 15 US Dollar am Tag waren sie dazu bereit. Der Keller des Institutes an der Universität in Stanford wurde ausgebaut zu einem originalgetreuen Gefängnis.
Einige der Studenten wurden zur Gruppe der Gefangenen ernannt und mussten Sträflingskittel anziehen und durften sich zukünftig nur noch mit denen ihnen zugeteilten Nummern ansprechen. Die übrigen Studenten wurden Wärter in Polizeiuniformen gekleidet und mit Gummiknüppel ausgerüstet. Je drei Häftlinge kamen in eine Zelle. Das gesamte Experiment wurde videoüberwacht beobachtet und abgehört.
Anfangs noch probierten beide Gruppen aus, wo die Grenzen in ihren Rollen lagen. Durch Sanktionen wie Liegestützen demonstrierten die Wärter zudem ihre absolute Macht über die Häftlinge. Ein Aufstand am zweiten Tag sorgte dafür, dass die Wärter ab diesem Zeitpunkt besonders konsequent wurden und beispielsweise Toilettengänge unterbunden, sodass es schnell im Gefängnis stank und die Atmosphäre der eines echten Gefängnisses immer mehr glich. Mit eisigen Feuerlöschern schlugen sie den Aufstand nieder.
Nach nur 6 Tagen musste das Experiment abgebrochen werden. Grund dafür war, dass bereits nach 3 Tage ein Häftling mit schweren Stressreaktionen entlassen werden musste und auch andere Symptome wie Hautausschläge und emotionale Zusammenbrüche zeigten. Außerdem verloren die Versuchsleiter die Objektivität über das Projekt und musste öfter eingreifen, da die Wärter sehr sadistisch geworden waren. Psychische Spätfolgen konnten später bei den Teilnehmern nicht festgestellt werden. Das Experiment zeigte jedoch gut, wie sich Menschen entwickeln können, wenn ihnen Rollen zugeteilt werden und wenn sie sich einer Gruppe zugehörig fühlen. Innerhalb weniger Tage wurde aus einer schüchternen Person ein sadistischer Wärter und aus einem psychisch stabilen Studenten eine psychisch labile Person.
2001 wurde in Deutschland der Film „Das Experiment“ gedreht mit Martin Bleibtreu in der Hauptrolle. Allerdings muss man eingestehen, dass dieser stark dramatisiert wurde und in dem Film auch über Leichen gegangen wird.
Quelle: „Psychologie“ von Philip G. Zimbardo. Erschienen bei Pearson Studium unter der ISBN 978-3-8273-7275-8
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Das Stanford-Prison Experiment ist wohl eines der bekanntesten Experimente der Psychologie. Das Experiment wurde 1971 durchgeführt und sollte menschliches Verhalten in der Situation der Gefangenschaft aufzeigen. Auf eine Zeitungsanzeige hin wurden 24 Studenten aus der Mittelschicht gesucht. Sie alle wurden psychologischen Vortests unterworfen und es stellte sich heraus, dass alle Teilnehmer psychisch und körperlich in gutem Zustand waren. Sie alle unterschrieben einen Vertrag, dass sie während des Experimentes auf einige ihrer Menschenrechte verzichten würden. Für nur 15 US Dollar am Tag waren sie dazu bereit. Der Keller des Institutes an der Universität in Stanford wurde ausgebaut zu einem originalgetreuen Gefängnis.
Einige der Studenten wurden zur Gruppe der Gefangenen ernannt und mussten Sträflingskittel anziehen und durften sich zukünftig nur noch mit denen ihnen zugeteilten Nummern ansprechen. Die übrigen Studenten wurden Wärter in Polizeiuniformen gekleidet und mit Gummiknüppel ausgerüstet. Je drei Häftlinge kamen in eine Zelle. Das gesamte Experiment wurde videoüberwacht beobachtet und abgehört.
Anfangs noch probierten beide Gruppen aus, wo die Grenzen in ihren Rollen lagen. Durch Sanktionen wie Liegestützen demonstrierten die Wärter zudem ihre absolute Macht über die Häftlinge. Ein Aufstand am zweiten Tag sorgte dafür, dass die Wärter ab diesem Zeitpunkt besonders konsequent wurden und beispielsweise Toilettengänge unterbunden, sodass es schnell im Gefängnis stank und die Atmosphäre der eines echten Gefängnisses immer mehr glich. Mit eisigen Feuerlöschern schlugen sie den Aufstand nieder.
Nach nur 6 Tagen musste das Experiment abgebrochen werden. Grund dafür war, dass bereits nach 3 Tage ein Häftling mit schweren Stressreaktionen entlassen werden musste und auch andere Symptome wie Hautausschläge und emotionale Zusammenbrüche zeigten. Außerdem verloren die Versuchsleiter die Objektivität über das Projekt und musste öfter eingreifen, da die Wärter sehr sadistisch geworden waren. Psychische Spätfolgen konnten später bei den Teilnehmern nicht festgestellt werden. Das Experiment zeigte jedoch gut, wie sich Menschen entwickeln können, wenn ihnen Rollen zugeteilt werden und wenn sie sich einer Gruppe zugehörig fühlen. Innerhalb weniger Tage wurde aus einer schüchternen Person ein sadistischer Wärter und aus einem psychisch stabilen Studenten eine psychisch labile Person.
2001 wurde in Deutschland der Film „Das Experiment“ gedreht mit Martin Bleibtreu in der Hauptrolle. Allerdings muss man eingestehen, dass dieser stark dramatisiert wurde und in dem Film auch über Leichen gegangen wird.
Quelle: „Psychologie“ von Philip G. Zimbardo. Erschienen bei Pearson Studium unter der ISBN 978-3-8273-7275-8
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Kommentare
joa, das experiment ist schon echt schockierend, wie sich menschen in nur so kurzer zeit zum absolut schlechten "verändern" (bzw nie dagewesene seiten an sich entdecken) können aber dass die nur 15 dollar am tag bekommen haben oO das ist ja ein stundenlohn von ein paar cents, da muss man schon sehr verzweifelt oder wissenschaftsliebened sein ;) der gute herr heißt übrigens moritz und nicht martin :P