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We Will Rock You, ein Musical zum Davonlaufen
Erschienen am 15.7.10 21:35 Uhr in der Kategorie Events.

Gestern Abend war in Stuttgart eine Aufführung des Musicals „We Will Rock You“ von Ben Elton.

Die Story beschreibt eine düstere Zukunft, in der in Zeiten der absoluten Globalisierung alle Kinder und Jugendliche in einer Schule der Gleichmacherei aufgezogen werden. Echte Musik ist verboten, alles ist nur noch elektronische GaGa-Musik, eine Art Techno im Lady Gaga-Stil.
Protagonist ist der „Dreamer“, eine Figur aus einer Prophezeiung, namens Galileo Figaro, mit seiner Freundin Scaramouche, einer Goth mit Haaren auf den Zähnen.
Antagonisten sind die „Killerqueen“ und ihr Kommandant Khashoggi, die alles tun wollen, um das Ziel der Protagonisten, die Rhapsody, die Revolution und ein Freischlag für die „Bohemians“, der Rebellen in dieser düsteren Diktatur schlechter Musik.
Die Idee des Stückes ist eigentlich auch ganz gut. Eine Beschreibung des Kampfes derer, die in der Lage sind, außergewöhnliche Musik zu hören, gegen jene, die sich nur im Einheitsbrei der Popmusik wohlfühlen.
Leider scheitert die Geschichte schon am Drehbuch. Die sogenannte Killerqueen erinnert unangenehm an böse Figuren aus Walt Disney-Filmen, sie spricht offen über vollkommen unschlüssige Pläne, wie zum Beispiel den Kindern die Seelen zunehmen.
Auch die Stereotypisierung der Rock-Musik, Sex and Drugs, stört hier unangenehm, da sie ein Idealbild der Freiheit als Normalität beschreibt. Während sich die Protagonisten der freien Liebe hingeben, die „Bohemians“ in ihrer Rockerkleidung die einzigen Individuellen sind, alle in ihrem individuellen Schwarzton, sind die Einzigen, die rocken, die Bösen.
Hier findet sich ein weiteres unschönes Detail. Im üblichen Musical-Stil ist die Musik der Bösen Rockmusik mit starken Gitarrenriffs. Die der Guten ist Musical-Musik, weich und glatt, ohne die Ausdrücklichkeit der Rockmusik. Die Killerqueen ist sogar im Metal-Stil gekleidet. Also entsprechen die „Rocker“ der Popmusik, die sie bekämpfen, während die Bösen, Vertreter der Popmusik, Rockmusiker sind. Ein Paradoxon entsteht.
Weiterhin wird in eine seltsame Richtung flachen Humors gearbeitet. Einige schlüprfige Witze, zum Beispiel eine banale Anspielung auf die Masturbation einer der Nebenrollen, an anderen Stellen werden flache Witze gegen längst nicht mehr aktuelle „Rockmusiker“ gemacht, wie zum Beispiel Daniel Küblböck und Tokio Hotel, die sowieso nichts mit Rockmusik zutun hatten.
Letztlich ist zudem „We Will Rock You“ als Name ebenfalls eine Unverschämtheit, da die Band zwar als Helden der Geschichte beschrieben wird, jedoch die Gitarrenriffs Brian Mays als übermäßig lang bezeichnet werden („3 ½ Tage lang“) und die tatsächlichen Umstände des Todes Freddie Mercurys einfach fort gewischt wurden. Zudem fehlt dem Musical die Kreativität und Freiheit Queens, der Mut zur Hässlichkeit im Kontrast zur Schönheit Mercurys.
We Will Rock You schießt sich ins eigene Knie, indem es die Bedürfnisse beider Zielpublika verfehlt. Einerseits haben wir hier das übliche Musical-Publikum. Der Großteil davon wird nicht in der Lage sein, die wirklich subtilen Anspielungen auf verschiedene Rockgruppen und Rockopern verstehen. Andererseits haben wir die Rockfans. Keiner von ihnen wird in der Lage sein, die musicalisierte Rockmusik als gut anzunehmen. Wer mit Elvis, Queen und Ozzy Osbourne aufgewachsen ist und die Originale alle kennt, ist dazu verdammt, sich der abgeflachten Version zu entziehen.
Dieses Musical ist ein verzweifelter Versuch, die Zeiten der Rockmusik neu aufleben zu lassen. Die Stereotypen der wilden 70ger als absolute Klimax der Freiheit zu stilisieren ist nur noch ein letztes Aufbegehren der gealterten und gescheiterten Rock-Generation, die heute alle zu ihrem Feindbild „Spießer“ geworden sind, ein Teil des Systems, dass sie so verachten und ihm trotzdem nicht ausweichen konnten.

Clemens Geier



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Kommentare

WeiFy schrieb am 15.07.2010 23:36:
Also ich kann nur sagen ich war in dem Musical als es in Köln war, und ich kann auch sagen das ich ein "großer Queen Fan" bin... Trotzdem fand ich das Musical nicht schlecht... Das Musical erzählt ja auch nicht die Geschichte von Queen sondern von den Bohemians... Und ehrlich gesagt ich würde es mir auch noch ein zweites mal anschauen weil es ganz cool gemacht ist oder war...
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TagsWe will rock you, Queen, Ben Elton, Musical


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