Was ist eigentlich Leben?
Erschienen am 19.8.10 17:54 Uhr in der Kategorie Kolumnen.
Es gibt viele Dinge, die wissenschaftlich (noch) nicht erklärbar sind. Michael Brooks zählt 13 Themengebiete davon auf.
Die Frage, was es mit dem Leben eigentlich genau auf sich hat, ist sehr schwierig. Allein eine Definition für Leben zu finden, die nur auf lebende Organismen zutrifft, scheint schon immens problematisch zu sein. Bezeichnen wir etwas als „lebend“, wenn es einen Stoffwechsel besitzt? Nun, dann müsste auch ein Auto lebendig sein. Das setzt ja das Benzin um, und aus dem Auspuff kommt etwas verändertes heraus. Endlose, kontroverse Diskussionen, die sich allein darum drehen, eine Definition für das zu finden, was lebende Dinge von unlebenden Dingen unterscheiden, führen bis heute zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Wonach soll man dann also forschen, wenn man die Ursachen fürs Leben finden möchte? Es lässt sich gerade einmal gut nachverfolgen, wann das Leben in etwa entstanden sein muss. Das muss nämlich innerhalb der ersten 300 Millionen Jahren der Erdgeschichte mit fester Erdkruste gewesen sein. Gebilde in Australien, die von Urorganismen erzeugt worden sein müssen, weisen das nach. Aber wie das genau passiert ist? Theorien, dass Blitze damals das Leben zufällig in Gang gebracht haben könnten kursieren genauso wie etliche andere herum. In einer künstlich erstellten Uratmosphäre ist es auch bereits gelungen, dass einfache Aminosäuren experimentell entstanden sind. Aber das hat noch lange nichts mit Leben zu tun. Während die eine Gruppe von Wissenschaftlern anhand von einfachen Organismen untersuchen, welche Moleküle genau verantwortlich sind, dass soetwas entsteht, was wir als „Leben“ bezeichnen, gibt es diejenigen, die nach Phillip Anderson der Ansicht sind, „Mehr ist anders“. Das bedeute, dass viele Faktoren dazu beitragen würden, dass Leben entstünde und, dass Vieles sich anders verhalte als mehr. Als Beispiel wird da der Millionär genannt, der sich aufgrund seiner Vermögens wohl anders verhalten würde, als jemand, der am Hungertuch nagt.
Aber mal abgesehen vom Thema Leben, da gibt es noch viel mehr Bereiche, die die Wissenschaft noch überfordern. Beispielsweise der Placeboeffekt. Geschweige davon, dass man nicht nachweisen kann, was dieser Effekt mit dem Körper anstellt, ist man sich gar nicht richtig einig, ob es ihn überhaupt gibt. Es gibt viele Experimente, die nachweisen, dass es ihn außer in Sachen Schmerzempfinden nicht gibt. Es gibt aber auch die Gegenexperimente, die andere Ergebnisse liefern. Wem soll man nun noch trauen? Ist es nicht mehr legitim, dass 60 Prozent aller israelischen Ärzte bereits Placebos verschrieben und somit ihre Patienten angelogen haben? Und was ist das eigentlich mit dieser dunklen Materie, die uns nach Angaben von Wissenschaftlern ständig umgibt, die aber auch nicht wirklich definiert werden kann? Wie können wir damit umgeben, dass wir bestenfalls 4% unseres Universums überhaupt beschreiben können, weil 96% diese dunkle Materie sein sollen?
In seinem neuen Buch „Das Licht war früher auch mal schneller“ erkläutert Michael Brooks, der promovierter Quantenphysiker und Autor bei vielen wissenschaftlichen Fachzeitschriften ist, 13 bisher ungelöste Rätsel der Wissenschaft, darunter die drei bereits genannten, aber auch die Sache, dass es bessere Methoden der Fortpflanzung als Sexualität gäbe und neun weitere. Wer gedacht hat, dass der heutige Stand der Wissenschaft schon so groß ist, dass man grundlegende Dinge erklären kann, der wird mit der Lektüre dieses Werkes eines besseren belehrt. Und das mit viel britischem Humor und interessanten Einblicken in den aktuellen Stand der Wissenschaften und die Theorien, die heute vertreten werden.
„Das Licht war früher auch mal schneller“ von Michael Brooks ist erschienen im Ullstein-Verlag und für 16,90 Euro unter der ISBN 978-3-550-08709-7
zu haben. Wer niveauvollen Diskussionsstoff sucht, wird hier reichlich bedient.
Die Frage, was es mit dem Leben eigentlich genau auf sich hat, ist sehr schwierig. Allein eine Definition für Leben zu finden, die nur auf lebende Organismen zutrifft, scheint schon immens problematisch zu sein. Bezeichnen wir etwas als „lebend“, wenn es einen Stoffwechsel besitzt? Nun, dann müsste auch ein Auto lebendig sein. Das setzt ja das Benzin um, und aus dem Auspuff kommt etwas verändertes heraus. Endlose, kontroverse Diskussionen, die sich allein darum drehen, eine Definition für das zu finden, was lebende Dinge von unlebenden Dingen unterscheiden, führen bis heute zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis. Wonach soll man dann also forschen, wenn man die Ursachen fürs Leben finden möchte? Es lässt sich gerade einmal gut nachverfolgen, wann das Leben in etwa entstanden sein muss. Das muss nämlich innerhalb der ersten 300 Millionen Jahren der Erdgeschichte mit fester Erdkruste gewesen sein. Gebilde in Australien, die von Urorganismen erzeugt worden sein müssen, weisen das nach. Aber wie das genau passiert ist? Theorien, dass Blitze damals das Leben zufällig in Gang gebracht haben könnten kursieren genauso wie etliche andere herum. In einer künstlich erstellten Uratmosphäre ist es auch bereits gelungen, dass einfache Aminosäuren experimentell entstanden sind. Aber das hat noch lange nichts mit Leben zu tun. Während die eine Gruppe von Wissenschaftlern anhand von einfachen Organismen untersuchen, welche Moleküle genau verantwortlich sind, dass soetwas entsteht, was wir als „Leben“ bezeichnen, gibt es diejenigen, die nach Phillip Anderson der Ansicht sind, „Mehr ist anders“. Das bedeute, dass viele Faktoren dazu beitragen würden, dass Leben entstünde und, dass Vieles sich anders verhalte als mehr. Als Beispiel wird da der Millionär genannt, der sich aufgrund seiner Vermögens wohl anders verhalten würde, als jemand, der am Hungertuch nagt.
Aber mal abgesehen vom Thema Leben, da gibt es noch viel mehr Bereiche, die die Wissenschaft noch überfordern. Beispielsweise der Placeboeffekt. Geschweige davon, dass man nicht nachweisen kann, was dieser Effekt mit dem Körper anstellt, ist man sich gar nicht richtig einig, ob es ihn überhaupt gibt. Es gibt viele Experimente, die nachweisen, dass es ihn außer in Sachen Schmerzempfinden nicht gibt. Es gibt aber auch die Gegenexperimente, die andere Ergebnisse liefern. Wem soll man nun noch trauen? Ist es nicht mehr legitim, dass 60 Prozent aller israelischen Ärzte bereits Placebos verschrieben und somit ihre Patienten angelogen haben? Und was ist das eigentlich mit dieser dunklen Materie, die uns nach Angaben von Wissenschaftlern ständig umgibt, die aber auch nicht wirklich definiert werden kann? Wie können wir damit umgeben, dass wir bestenfalls 4% unseres Universums überhaupt beschreiben können, weil 96% diese dunkle Materie sein sollen?
In seinem neuen Buch „Das Licht war früher auch mal schneller“ erkläutert Michael Brooks, der promovierter Quantenphysiker und Autor bei vielen wissenschaftlichen Fachzeitschriften ist, 13 bisher ungelöste Rätsel der Wissenschaft, darunter die drei bereits genannten, aber auch die Sache, dass es bessere Methoden der Fortpflanzung als Sexualität gäbe und neun weitere. Wer gedacht hat, dass der heutige Stand der Wissenschaft schon so groß ist, dass man grundlegende Dinge erklären kann, der wird mit der Lektüre dieses Werkes eines besseren belehrt. Und das mit viel britischem Humor und interessanten Einblicken in den aktuellen Stand der Wissenschaften und die Theorien, die heute vertreten werden.
„Das Licht war früher auch mal schneller“ von Michael Brooks ist erschienen im Ullstein-Verlag und für 16,90 Euro unter der ISBN 978-3-550-08709-7
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