19.2.11 21:25 Uhr von

"Nader und Simin, eine Trennung" - Nachrichten - Artikelarchiv

„Cut“, würde der Regisseur sagen. Die Berlinale 2011 ist beendet. Der iranische Film „Nader and Simin, a separation“ hat den goldenen Bären gewonnen.

Dass der iranische Film „Nader and Simin, a separation“ - oder auf deutsch: „Nader und Simin, eine Trennung“ – dieses Jahr den goldenen Bären erhält, ist für einige überraschend. Bereits einige Tage vor der Entscheidung, wer welchen Bären mit Nachhause nehmen darf, haben viele Medien den iranischen Film als Favorit erklärt.

Neben der höchsten Auszeichnung wurden ein weiblicher und ein männlicher Darsteller des Films, die unter Regie von Asghar Farhadi schauspielten, jeweils einen silbernen Bären gewonnen.

[b]Fragen[/b]

Schuld, Wahrheit, Moral und Gesellschaft – Worte, die in dem Film des Regisseurs Farhadi große Bedeutungen spielen. Dass in der islamischen Republik Iran auch die Religion ein großer Aufhänger der Geschichte ist, erklärt sich natürlich von selbst. Auf eine eindrucksvolle Art hat der iranische Regisseur die Frage nach der moralischen Schuld nebst der Bestrafung durch das staatliche Rechtssystem aufgearbeitet ohne dabei den Iran in ein durchaus positives oder negatives Licht zu rücken, sondern auf einem mittleren Pfad zu bleiben, den Zuschauer entscheiden zu lassen.

[b]Eine komplexe Geschichte[/b]

Hinter dem goldenen Bären kommt eine komplexe Geschichte zum Vorschein. Dass sich Simin (Leila Hatami) von ihrem Mann Nader (Peyman Moaadi) trennt erklärt bereits der Titel.
Nader möchte aufgrund seines schwerkranken Vaters mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter nicht ins Exil gehen, seinen Vater alleine lassen. Eine Pflegerin wird eingestellt um den kranken Vater zu versorgen, im Alltag zu helfen.

Aus dem überschaubaren Problem wird eine ganze Problemreihe: eines Tages findet Nader seinen Vater halb tot am Bett gefesselt, Geld ist verschwunden. Nader schmeißt die Pflegerin seines kranken Vaters aus dem Haus, wendet leichte physische Gewalt an um sie aus dem Haus zu bekommen.

Als die Pflegerin Razieh eine Fehlgeburt erleidet, macht sie Nader verantwortlich für das tote Neugeborene, ein Stoß soll dazu geführt haben, dass das Kind im Bauch der Mutter gestorben ist. Nader gibt an, nicht gewusst zu haben, dass sie schwanger ist. Im Iran trägt eine hohe Anzahl von Frauen Tschadors, der Bauch sei versteckt gewesen.

Farhadi lässt den Zuschauer entscheiden, wechselt die Perspektive: moralische, juristische oder religiöse Schuld?
Ein Film, der zum Nachdenken bringt – nicht zuletzt, weil sich der Zuschauer identifizieren kann mit den vielen Ebenen der komplexen Verstrickung, aber gleichzeitig schlichten Erzählung.

[b]Filminformationen[/b]

[i]Nader and Simin, A Separation[/i], Iran, 2011
[u]Originaltitel:[/u] Jodaeiye Nader az Simin
[u]Filmlänge:[/u] 123 min.
[u]Regie und Drehbuch:[/u] Asghar Farhadi
[u]Kamera:[/u] Mahmood Kalari, Schnitt: Hayedeh Safiyari
[u]Darsteller:[/u] Peyman Moadi, Leila Hatami, Sareh Bavat, Sarina Farhadi, Shahab Hosseini


TagsBerlinale, 2011, Iran, Film, Festival, Berlin