11.4.11 20:44 Uhr von screenz

Samstag: Alkoholkonsum unter Jugendlichen - Sonstiges - Artikelarchiv

Mit „Bis ins Koma“ spricht Jugendbuchautorin Brigitte Blobel ein Problem an, das real existiert: Alkoholkonsum bei Jugendlichen. Thema der Youth FM Nightlounge.

Marvel, auch Marwin genannt, ist ein normaler Jugendlicher aus Berlin, der mit seinen Freunden oft gemeinsam etwa unternimmt, der die neunte Klasse am Gymnasium besucht und gemeinsam mit seinen Eltern wohnt. Nach dem Unterricht kommt es oft vor, dass er mit seinen Freunden Jojo und Mauki bei Onkel Herbie, einem Kneipenbesitzer, ein Bier trinken. Die Eltern dürfen nur ja nichts mitbekommen. Also wird der Biergeruch versucht mit Kaugummi, etc. zu übertünchen. Das geht auch lange gut.

Marvels Eltern stehen vor der Scheidung, nachdem eine fremde Frau seiner Mutter mitgeteilt hat, dass ihr Mann in sie verliebt sei. Für Marvel ist das eine schwere Situation. Seine Mutter, bei der er unterkommt, ist Krankenschwester, die viel und spät für die Familie arbeitet. Sie bedeutet ihm sehr viel und er will sie auch nicht enttäuschen. Auf seinen Vater, der Journalist bei einer Zeitung ist, entwickelt er einen tiefen Hass.

Auf dem Schulhof wird er von einer Agentin angesprochen, die für die neue Serie „Coole Zeiten“ Schauspieler castet. Sie möchte ihn bei dem Casting dabei haben, weil er ihr gefällt, sodass sich Marvel auf dorthin macht und tatsächlich dort angenommen wird. Es ist zwar nur eine Nebenrolle, diese soll aber im Verlauf der Serie immer wichtiger werden. Er verdient auch ein ordentliches Taschengeld dabei, sodass er auch seine Freunde problemlos auf eine Kneipentour einladen kann. Aber dass er sich am nächsten Tag nicht mehr erinnern kann, was er dort alles gemacht hat und wie er nach Hause gekommen ist, hätte er nicht gedacht. Denn er hatte immer das Gefühl, dass er kontrollieren kann, wie viel Alkohol er zu sich nimmt. Seine Nachbarin Miranda, die in ihn verliebt ist und die Alkohol nicht ausstehen kann, ist dadurch zutiefst enttäuscht von ihm und geht ihm aus dem Weg. Marvel merkt, dass die Auswirkungen nichts Gutes bringen.

Auf einer Party der Filmcrew, die „Coole Zeiten“ dreht, genießt er auch ein Glas nach dem anderen und wird nachher, als er das Gleichgewicht kaum mehr halten kann, von einem Kollegen nach Hause geschickt. Mit Mühe und Not schafft er es irgendwie nach Hause. Aber was ihn in den kommenden Tagen erwarten wird, damit hätte keiner gerechnet. Enttäuscht wird er von der Produktionsfirma angerufen und darauf aufmerksam gemacht, dass Fotos im Netz aufgetaucht sind, wie er völlig betrunken in der Ecke liegt und einen nackten Hintern, der bemalt wurde, in die Kamera zeigt. Dadurch befürchtet Marvel, dass er zum Gespott aller wird und dass sich das rasend in den Medien verbreitet, da Bilder, die einmal im Netz gelandet sind, kaum mehr von dort wegzukriegen sind. Marvel sieht ein, dass es so nicht mehr weitergeht und hat Angst, dass seine Mutter davon mitbekommt. Auch hat er Angst davor, dass sein Vater, der eine Abneigung gegen das Komasaufen hat, davon zu hören bekommt…

Das Szenario, das Marvel im Roman von Brigitte Blobel durchmacht, ist nicht nur ein fiktives Einzelschicksal, sondern ein ernsthaftes Problem unserer Gesellschaft, und die Entwicklung ist alarmierend. Nicht nur wird immer früher Alkohol genossen, sondern auch die wirklich ernsten Fällen, die im Krankenhaus enden, werden immer mehr. Während es in der Gruppe der 13 bis 19-jährigen im Landkreis Ludwigsburg im Jahr 2001 unter 10.000 Einwohnern noch rund 21 Fälle gab, so waren das laut dem Statistischen Bundesamt Baden-Württemberg im Jahr 2007 schon 45. Das entspricht einer Steigerung von über 100 Prozent!

Dabei ist mit übermäßigem Alkoholkonsum nicht zu spaßen! Denn die körperlichen Folgen davon können neben einer Erkrankung an Hepatitis auch zu bleibenden Schäden des Nervensystems führen und Bluthochdruck erzeugen. Wer also öfter in diesen Zustand kommt, der muss nicht nur damit rechnen, dass sich eine Sucht aufbaut, sondern auch damit, dass er sein Leben im Extremfall riskieren kann. Aber auch psychische Auswirkungen sind zu befürchten. Neben dem Auftreten von Depression kann auch Vergesslichkeit eintreten. Und das sind zwei Sachverhalte, mit denen ebenfalls nicht zu spaßen ist. Auch das soziale Umfeld, so wie Marvel es bei Miranda mitgemacht hat, kann negativ auf oft betrunkene Personen reagieren.

Wer merkt, dass er seinen Alkoholkonsum nicht mehr in den Griff bekommt, der wird nicht allein gelassen. Die Städte haben in den vergangenen Jahren immer mehr Suchtberatungsstellen eingerichtet, an die man sich wenden kann. Dabei wird man ernst genommen, denn auch Alkohol ist ein Suchtmittel, welches abhängig machen kann, und alles wird vertraulich behandelt. Auch der Hausarzt kann einem helfen. Denn dieser kann nicht nur an solche Beratungsstellen vermitteln, sondern auch an psychiatrische Einrichtungen, die Suchtpräventionen anbieten, die also helfen, zum einen die Ursachen des Alkoholkonsums, aber auch den Alkoholkonsum selber in den Griff zu bekommen. Das bezahlt im Übrigen die Krankenkasse.

Eine entscheidend wichtige Entwicklung, die man in letzter Zeit beobachten kann ist die, dass Jugendliche immer schwerer an Alkohol kommen. Geschäfte verlangen immer öfter den Ausweis und kontrollieren diejenigen, die Alkohol kaufen wollen, immer intensiver.

Wir haben bei der Youth FM Nightlounge mit einer Suchtberatungsstelle geredet und uns darüber informiert, wie Jugendlichen geholfen werden kann und wir haben mit der Polizeidirektion Göppingen über das Thema Alkoholmissbrauch und Straftaten geredet. Also, schaltet ein! Am Samstag um 22 Uhr bei der Youth FM Nightlounge.

Das Buch „Bis ins Koma“ von Brigitte Blobel zu diesem Thema gibt es beim CBJ Verlag für 12,99 Euro unter der ISBN 978-3-570-13513-6. Die Story ist packend realistisch und regt sehr zum Nachdenken an, was den Konsum von Alkohol und seine Folgen auf das soziale Umfeld angeht.

Quellen: http://www.lwl.org/ks-download/downloads/WEBbewerb/Beitrag_019/Folgen.htm
http://www.vkz.de/de/heute/redaktion/archiv/lokal/februar-2009/26/jugendliche-und-alkohol/
TagsAlkohol, Missbrauch, Jugendliche, Koma, Brigitte Blobel, Youth FM Nightlounge