4.5.11 18:40 Uhr von Clwens

Zu bin Ladens Tod - Kolumnen - Artikelarchiv

Eine frühe Ansicht

Jetzt ist tatsächlich die lang erwartete Nachricht von seinem Tod veröffentlicht worden.
Unter Führung des US-Präsidenten Barack Obama, einem Friedensnobelpreisträger, wurde bin Laden vorgestern Nacht in einer 40-minütigen Aktion von Navy-Seals erschossen.

Osama bin Laden galt bis dahin als gefährlichster Terrorist der Welt.
Sein Tod lässt viele Fragen offen und es finden sich viele verschiedene Reaktionen darauf.
So findet sich zum Beispiel in Twitter immer wieder die Aussage, bin Laden hätte die Versteckspiel-Weltmeisterschaft gewonnen oder aber, man würde noch Walter aus „Wo ist Walter?“, einem Kinderbuch, suchen müssen.
Allgemein finden sich vor allem humoristische Reaktionen im Netz, auch gerne über die Ähnlichkeit von Obama und Osamas Namen, wobei gerne auch auf Obamas zweiten Namen „Hussein“ hingewiesen wird, warum auch immer.
Es werden auch zynische Sprüche über die Verbindung bin Ladens zum CIA gemacht: „Bei einem Freundschaftsbesuch der CIA löste sich versehentlich ein Schuss“ oder zur Nachfolge: „Bewerbungen bitte per Luftpost nach Washington“.
Außerdem wird sich immer wieder gerne über Osama bin Ladens vermeintlich falschen Namen „Usama bin Laden“ oder „bin Ladin“ lustig gemacht.
Bin Ladens weniger medientaugliche voller Name lautet allerdings: Usama ibn Muhammad ibn Awad ibn Ladin, womit entsprechende Fehler eigentlich gar keine sind.
Bin Laden wird die Initiierung des Anschlags vom 11. September zur Last gelegt, das aus unserer westlichen Sicht schlimmste Verbrechen der letzten zehn Jahre, bei dem knapp 3000 Amerikaner ums Leben kamen. Bei dem darauffolgenden Krieg in Afghanistan kamen etwa 2400 Soldaten aufseiten der Amerikaner und ihrer Verbündeten ums Leben, noch mehr Menschen aufseiten der Afghanen.
Es gibt noch andere interessante Zahlen zu bin Laden: Auf seinen Kopf sind 50 Millionen US-Dollar ausgesetzt gewesen, er war der meistgesuchte Mann auf der Fahndungsliste des FBI, das eigentlich nur für Einsätze im Landesinneren der USA verantwortlich ist. Gestern beschrieb der Spiegel, dass die USA etwa 1,3 Billionen für die Fahndung nach bin Laden ausgaben, also gut ein Prozent der amerikanischen Gesamtschuldenlast. Irgendwie vernichtet diese Zahl jegliche Verschwörungstheorie zu 9/11, denn wäre zum Beispiel das Gerücht vom Kriegsgrund für Öl wahr gewesen, es wäre wirklich nicht lohnenswert gewesen, dafür noch einem angeblich vollkommen Unschuldigen hinterherzujagen.

Apropos Verschwörungen: Im Internet gibt es, noch mehr als humorvolle Reaktionen auch massive Mengen an Verschwörungstheorien bezüglich bin Ladens Tod.
Tatsächlich lassen alle bisher veröffentlichten Informationen sehr starke Zweifel zu, was die populären Medien wieder dazu bewog, die sogenannten Verschwörungstheorien stark zu verurteilen.
Es fängt mal an mit der Nacht und Nebel Aktion der Navy-Seals. Ein überraschender Angriff einer Elite-Truppe in 40 Minuten auf ein Haus in dem 36 Menschen, die meisten davon, auch bin Laden, unbewaffnet, anwesend waren ist schon eine schwache Leistung für die Navy-Seals, deren Beteiligung an dem Angriff jetzt sehr bekannt ist, obwohl die Seals die Beteiligung an allen anderen Angriffen für gewöhnlich leugnen.
Der Umgang mit entsprechenden Indizien zählt auch zu den Argumenten der Theoretiker. Nicht nur dass die Wrackteile des bei der Aktion gesprengten Hubschraubers teilweise unter höchster Geheimhaltungsstufe abtransportiert werden, während andere Teile, die über die Mauer flogen, wie zufällig gestreut herumliegen, oder dass niemand in das Haus bin Ladens nach dem Einsatz eintreten darf, sondern vor allem der komische Umgang mit bin Ladens Todesbeweisen. Da wäre zum einen, dass die Leiche von bin Laden versenkt wurde, sodass sie niemand mehr auffinden kann.
Die Aussage, ein Moslem müsse innerhalb von 24 Stunden bestattet werden ist wohl falsch, die Behauptung, man hätte irgendwelche Regeln einhalten wollen, um die Muslime nicht vor den Kopf zu stoßen, was natürlich sehr wichtig ist, wenn man gerade den Kopf einer islamistischen Terrorgruppe ermordet hat, fällt damit als Argument weg. Die Argumentation für eine Versenkung im Meer, man wolle keine Pilgerstätte für Islamisten beziehungsweise kein Land wolle seine Leiche haben, ist da schon eher schlüssig, wenn auch unrealistisch, da sich sicher genug islamismusfreundliche Länder zur Umsorgung der Leiche gemeldet hätten.
Dann wäre da auch das Bild von bin Ladens Leiche. Zuerst tauchte ein Bild in den Medien auf, anscheinend ungeprüft, das sehr schnell als Fake identifiziert werden konnte, dann gab die US-Regierung an, man wolle das Bild vorerst nicht veröffentlichen, es sei sehr grausig. Es ist natürlich vollkommen logisch, dass Bilder, wenn man sie noch eine Weile behält, weniger grausig werden. Zudem kann es nicht wirklich so grausig sein, dass man das Grauen nicht abschwächen könnte, indem man das Foto etwas bearbeitet, wenn man es in die Presse gibt. Zudem sind die Amerikaner sehr viel gewohnt, was brutale Bilder betrifft. Das genugtuende Bild von Osama bin Ladens Leiche wird sie dabei wohl eher wenig schockieren können. Daher vermuten viele Blogger, dass das Bild von bin Ladens Leiche erst noch gemacht werden muss und ein authentischer Fake eben etwas mehr Zeit braucht.
Die DNA-Probe von bin Ladens Leiche, die über Verwandte zumindest Verwandtschaft beweisen kann, wird einerseits nur von einem amerikanischen Institut geprüft, anderseits kann immer noch keiner Beweisen, dass es von bin Ladens Leiche stammt, außer vielleicht die Probe besteht aus einem gut erhaltenen Körperteil, vielleicht ein Arm oder so.

Diese Fakten und Vermutungen befeuern entsprechende Theorien, dass einerseits bin Laden überhaupt nicht getötet worden ist, andererseits schon lange tot sein soll und der Tod Jahre später entsprechend inszeniert wurde. Die Argumente dafür schwanken teilweise zwischen der Aussage, dass Bush den Tod verschleiern wollte, um den Krieg weiter begründen zu können und Obama das jetzt rausgefunden hat und mit dieser Inszenierung den Truppenabzug rechtfertigen kann, und zwischen der Aussage, dass Obama den Tod nur wahlkampftechnisch inszeniert hat, daher auch der günstige Zeitpunkt des Zugriffs für ihn. Das könnte natürlich auch eine geniale Taktik der Republikaner sein, den Wahlkampfgegner potenziell diffamieren zu können, der gerade in einem Umfragehoch schwebt.
Unabhängig davon kann man sich sicher sein, dass man nie wieder etwas von Osama bin Laden hören wird. Es wird keine weiteren Videobotschaften von ihm geben. Sollte er tatsächlich tot sein, wovon auszugehen ist, sollte es Beweise für sein Leben geben, wäre das Obamas politischer Tod, ein Risiko, das er nicht eingehen würde, wenn er sich nicht sicher wäre, ist es egal wann er gestorben ist. Tote stehen, mit einer Ausnahme, nicht mehr auf. Sollte alles Fake sein und er wirklich noch leben, wäre es sowohl für ihn als auch für al-Qaida unsinnig, das auch zu beweisen. Nicht nur, dass er ein prima Märtyrer ist, hingerichtet, auch noch unbewaffnet, vom Feind, er kann jetzt auch ungestört, ohne Angst vor Entdeckung seinen Lebensabend verbringen und vielleicht noch etwas im Hintergrund agieren. Die Amerikaner haben kein Interesse mehr für an seiner prestigeträchtigen Verfolgung.

Trotz Obamas Umfragehoch sind die Republikaner nicht ganz leer ausgegangen. Als angenehmer Nebeneffekt der Ergreifung bin Ladens, was auch ein Ziel des Republikaners George W. Bushs ist, können nämlich Folter und Waterboarding wieder wunderbar unterstützt werden, da die Gefolterten am Schluss den Aufenthaltsort mitermittelten, was bedeutet, dass es sich bewährt hat. Wieso die Gefangenen in Guantanamo sich erst nach 9 Jahren Folter dafür entschieden, den Aufenthaltsort von bin Laden seit 5 Jahren anzugeben, bleibt noch zu klären. Man kann sie aber für ihre Hellsichtigkeit und ihr Durchhaltevermögen nur bewundern.

Apropos zynische Konservative: Nicht nur Angela Merkel steht für ihre Aussage, sie freue sich über den Tod von Osama bin Laden, im Fokus der Kritik. Auch das ausgelassene Feiern eines Mordes von den ach so christlichen Amerikanern wird unter Verweis auf das 5. Gebot mit sehr viel Verwunderung und vor allem auch gehässiger Verachtung beobachtet. Merkels Aussage sei unglücklich formuliert heißt es, das Verhalten der Amerikaner ist natürlich verständlich, wenn man das Ausmaß des 11. Septembers 2001 bedenkt. Währenddessen ist übrigens der ebenfalls christliche Vatikan der einzige westliche Staat, der sich kritisch dem Tod bin Ladens geäußert hat, man freue sich nicht über den Tod eines Menschen, so ein Sprecher.

Es bleibt noch die Sache mit dem Nachfolger. Bin Ladens Freund Aiman al-Sawahiri wird zwar grade stark als Nachfolger gehandelt, scheint aber aufgrund seines Mangels an Charisma, für das bin Laden ja so bewundert wurde, nicht dafür geeignet zu sein. Seine Reden seien im Wortlaut wohl sehr langweilig.
Da die Amerikaner jetzt sowieso auf Freundschaft mit den Taliban setzen, würde ich einen anderen alten Freund bin Ladens vorschlagen, nämlich den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush. Auch wenn er seine Bescheidenheit nicht ganz so auslebt wie bin Laden, er trinkt zum Beispiel sehr gerne, gibt es Eigenschaften, die durchaus für ihn sprechen: Genauso wie bin Laden stammt Bush aus einer reichen Familie und ist dadurch in der Lage, ein großes Unternehmen wie al-Qaida und die Taliban weiter zu führen und zu unterstützen. Des Weiteren ist er vielen Punkten der Dschihadisten nicht abgeneigt, zum Beispiel in Sachen Frauenrechte, Recht auf freie Meinungsäußerung, Homosexuelle, Sexualmoral und viele andere. Außerdem ist er in der Lage ohne Gewissensbisse andere Menschen für seine Ziele in den Tod zu schicken.
Bush gratulierte (oder bedankte sich) Barack Obama für seinen Erfolg, lehnte aber einen gemeinsamen Besuch am Ground Zero ab. Vielleicht hockt er ja schon im Flieger für ein Vorstellungsgespräch in Afghanistan ;-).
TagsOsama bin Laden, Tod, Ermordung, Amerika, CIA, Barack Obama, Pakistan, Afghanistan, Verschwörungstheorie,