Journalisten streiken
Erschienen am 20.7.11 15:11 Uhr in der Kategorie Nachrichten.

Auf dem Göppinger Marktplatz fand man heute einige gepflegte Menschen mit Regenschirmen und Kaffee bewaffnet im Regen stehend blaue Flyer an die vorbeilaufende Menge verteilen. Der Anblick verwundert, ist man doch von Streikenden eher gewohnt, dass es Arbeiter sind und man ihnen das ansieht.

Eigentlich verwundert es doch sehr, dass die Medien kaum darüber berichten, dass die Kollegen aus dem Bereich Tageszeitung einen Kampf „für eine gute Zeitung“ führen.

Es lässt sich aber auch kaum verhehlen, dass es kaum etwas zu berichten gibt, da die Streiks sehr dünn sind und, anders als bei den Bahnstreiks, eine für den normalen Leser vollkommen ausreichende Mindestmenge an Berichten gibt.
Deshalb ist das Druckmittel mehr symbolisch als wirklich wirksam.

Dennoch sind die Forderungen der Journalistengewerkschaften nicht unberechtigt:
Nachkommenden Journalisten soll das Anfangsgehalt um 25% gesenkt werden, sodass es für viele, gut ausgebildete und studierte Berufsanfänger kaum mehr Anlass gibt, den Beruf eines Journalisten zu wählen. 25% sind ein Viertel des Gehalts, das heißt, der Journalist bekommt nur noch so viel, wie in der Elternzeit, in der er eigentlich gar nicht arbeitet.

Für fertige und vollzeitbeschäftigte Journalisten soll das Gehalt um fünf Prozent gekürzt werden. Das klingt eigentlich nach nicht viel, ist aber in Anbetracht der Inflation, an die das Gehalt üblicherweise angeglichen wird, und anderer Nachteile, wie der Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Altersvorsorge, der Streichung von Urlaubstagen und Erhöhung der Wochenarbeitszeit ein krasser Einschnitt in die Finanzen und Freizeit und somit in das Preis-Leistungs-Verhältnis des Journalistenberufs.

Obwohl eigentlich jeder entrüstet aufhorchen sollte, ist davon kaum etwas zu hören. Wer soll denn auch darüber berichten, wenn diejenigen, die davon unmittelbar betroffen sind, streiken und diejenigen, die noch arbeiten, davon profitieren.
Qualitätsjournalismus ist in Zeiten von Internet und Web2.0 kaum noch zu finden, da jeder ungelernt schreiben kann, was er will. Fernsehen ist an Quoten und damit entsprechende Schockmeldungen gebunden und wird deshalb kaum über ihre im Regen stehenden Kollegen berichten, die triefend nass für ihre Rechte kämpfen.

Clemens Geier



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