Besinnliche Weihnachten
Erschienen am 25.12.11 18:21 Uhr in der Kategorie Kolumnen.
Und wieder ist ein Jahr vergangen und wieder fragen sich alle Mütter und Väter, Tanten und Onkels, Großmütter und Großväter, Freunde und Freundinnen: „Was schenke ich dieses Jahr wem zu Weihnachten?“
Weihnachten, das ist das Fest der Geschenke. Während man an Ostern die Geschenke noch umständlich im Garten oder der Wohnung suchen muss und im schlimmsten Fall dann nur Süßigkeiten bekommt, liegen die Weihnachtsgeschenke immer brav unter dem Tannenbaum.
Schlimm ist es dann, wenn man nicht das bekommt, was man sich gewünscht hat. Das Handy ist kein iPhone, der Laptop ist zu langsam, man bekommt nur ein Buch. Liebe Kinder, da müsst ihr eure Eltern korrekt erziehen. Es kann ja nicht angehen, dass sie euch das ganze Jahr über durchfüttern, nur um euch am Ende des Jahres mit zu billigen Geschenken zu entsetzen.
Aber zurück zu den Schenkern: Weihnachten ist ein echter Stress für die Erwachsenen. Man quält sich da ja wirklich. Es wollen ja alle gerecht beschenkt werden, kein Kind benachteiligt werden. Und wehe dir, wenn du deiner Freundin das Falsche schenkst oder deinem Freund. Da ist der Krach aber groß.
Daher geht man rechtzeitig ins Geschäft, am besten fängt man im November an, denn da sind die Geschäfte schon voll mit Zimtgebäck. Kaum sind die Halloweenkostüme weggeräumt, tauchen die Plätzchen auf.
Wer aber nicht rechtzeitig losgeht, sondern erst in den Adventswochen, oder gar in den letzten Tagen, der sieht sich mit knallvollen Kaufhäusern konfrontiert, in denen es von Menschen wimmelt, die selber zu spät gemerkt haben, dass sie jetzt ja was schenken müssen.
Schenken müssen. Heute Morgen sprach jemand im Radio davon, dass ein Geschenk nur dann ein Geschenk ist, wenn es von Herzen kommt. Warum gibt es dann so einen gesellschaftlichen Zwang, an Weihnachten Geschenke machen zu müssen. Ich sehe Mütter mit quengelnden Kindern, die irgendetwas im Oktober haben wollen und von den Müttern dann zu hören kriegen: „Nein, das bekommst du dann zu Weihnachten!“ Warum denn nicht gleich und an Weihnachten nichts mehr? Muss es denn einen zentralen Termin geben, an dem Kinderzimmer noch vollgestopfter werden?
Manche Bücherregale wimmeln ja nur von Büchern, die uns irgendjemand aus der Peinlichkeit, kein Geschenk zu haben, gekauft hat, die wir aber selber niemals lesen würden. Natürlich hat man sich artig bedankt, aber nicht gedacht: „Lieber gar nichts als Schoßgebete von Charlotte Roche“, sondern eher „Ich habe mir doch ein iPhone gewünscht, warum hab ich das nicht gekriegt?“ Und das Buch landet im Bücherregal, während man sich das iPhone nicht leisten kann, weil man sein gesamtes Geld für Geschenke ausgegeben hat, für Leute, die man nur einmal im Jahr sieht. Am Familienfest.
Familienfeste an Weihnachten sind eine tolle Sache. Man sieht Menschen, die man das ganze Jahr über nicht gesehen hat, und freut sich darüber, dass einem nach 10 Minuten wieder einfällt, warum man diese Menschen eigentlich gemieden hatte. Bei aufgesetzter Heiterkeit, alkoholischen Getränken und einem Festmahl, dass es tatsächlich nur am Fest gibt und große Löcher ins Budget der Familie reißt, tut man so, als ob man sich mögen würde, bis dann ab und zu die Fassade reißt und das Fest der Liebe zum Fest des Hassens wird.
In Familien, in denen das umgangen werden soll, wird oft im Laufe des Abends dann der Fernseher angeschaltet. An Weihnachten selber kommen ganz tolle Sendungen, zum Beispiel brachte der MDR das volle Weihnachtsoratorium von Bach mit dem Gewandhausorchester und den Thomanern in der Nikolaikirche in Leipzig.
In der vorweihnachtlichen Zeit allerdings sind die Medien voller abgedroschener Weihnachtsserien. Der Sack vom Weihnachtsmann sucht nach dem Weihnachtsmann, der Weihnachtsmann kämpft gegen seinen bösen Nachbarn, so richtig schön besinnlich. Die amerikanische Serie South Park hat deswegen den Weihnachtsmann gleich mit einem Maschinengewehr ausgestattet.
Der Weihnachtsmann taucht in allen möglichen Weihnachtssondersendungen auf. Überall hängen Weihnachtsmänner auf Kaufhäusern, Verpackungen und in der Werbung. Und überall, in allen Kindersendungen taucht die Botschaft auf: „Glaube an den Weihnachtsmann, sonst bist du ein schlechtes und böses Kind.“ Es gibt ein Statement im Internet, der Weihnachtsmann sei beliebter und cooler als Gott und Jesus. In einer dieser furchtbaren Sendungen mit Weihnachtsmann gibt es eine Folge, in der der Weihnachtsmann in die Zeit der Dinosaurier reist, nur um dort den Grundstein seines Hauses zu finden. Ergo: Den Weihnachtsmann gab es schon vor Christi Geburt, merkt euch das liebe Kinder. Der Weihnachtsmann ist eine sympathische Werbefigur für Coca Cola. Das kann er bleiben. Aber bitte doch nicht als Ersatzjesus (das Wort streicht mir meine Rechtschreibkorrektur berechtigt an). Übrigens kann mir die Aktion gegen den „Cola-Mann“ auch gestohlen bleiben, wer meint, an Weihnachten gegen Amerikanismus zu kämpfen, hat genauso viel verstanden, wie Menschen, die glauben, dass der Weihnachtsmann für Weihnachten verantwortlich ist.
Aber es ist ja nicht nur das Fernsehen, das unsäglich ist, in der Adventszeit. Das Wort kommt übrigens von advenire, ankommen und eigentlich heißt, dass man sich auf die Weihnachtszeit vorbereiten soll. Besinnlich wird es aber nicht gerade, wenn man das Radio anschaltet. Anstatt, dass man Weihnachtslieder bringt, es gibt da sehr schöne und auch ein paar wirklich Popkultur-freundliche Versionen, hört man im Radio hauptsächlich „Last Christmas“ von Wham. Ja, es kommt in dem Lied tatsächlich das Wort „Christmas“ vor, aber es ist ein Liebeslied, das kann man das ganze Jahr über spielen und hat eigentlich überhaupt nichts mit Weihnachten zutun. Es geht einem ungemein auf den Wecker. Und wenn dann doch irgendwo ein Lied gespielt wird, das mit dem Thema zutun hat, dann meistens „I’m dreaming of a white Christmas“. Ein schönes Lied, hat aber mit der Botschaft von Weihnachten überhaupt nichts zutun und beim hundertsten Mal nervt es einfach nur noch.
Aber ja, die Weihnachtsbotschaft. Weiß eigentlich jemand, worum es bei Weihnachten geht?
Wissenschaftlich gesehen ist das Fest natürlich die christliche Version eines heidnischen Ritus und tatsächlich, wie in „Weihnachtsmann & Co. KG“ gezeigt, älter als Jesus Christus. Aber das weiß eigentlich auch kaum jemand. Die Menschen marschieren in die Kirchen, was sie das ganze Jahr nicht getan haben und die Pfarrer enden jede Predigt damit, dass sie sich freuen würden, wenn die Leute doch an anderen Tagen wieder kommen würden. Tatsächlich kommen die ein oder anderen vermutlich nur deshalb, weil sie ihre Kinder irgendwo anders haben wollen, um ihnen nachher zu erzählen, dass der Weihnachtsmann da gewesen sei. Würden so coole Sachen passieren, während ich in der Kirche bin, würde ich da auch nicht mehr hinwollen.
Die Botschaft von Weihnachten, wieder in South Park mit Mr Hankey dem Weihnachtskot sehr schön kommentiert: „Geschenke“.
Die eigentliche Botschaft zählt nicht mehr. Leute, die mit Glauben und Religion kaum etwas am Hut haben, feiern ein Fest, ohne zu wissen, worum es geht. Es hat nichts mehr mit Besinnlichkeit zutun, sondern mit Kommerzialisierung. Es wird immer wieder lobend erwähnt, wie toll doch Weihnachten die Wirtschaft ankurbeln würde. Spannend ist dann zu betrachten, wie überzeugte Linke sich daran stören, dass der Papst den Weihnachtskommerz kritisiert. Aber was hat der Papst auch mit Weihnachten zutun?
Weihnachten, das ist das Fest von Streit, gigantischem Geldverlust, Stress und schlechter Laune. Wohl dem, der den ganzen Trubel darum vergessen kann und vielleicht im kleinsten Kreis der Familie einen schönen Abend hat, mit vielleicht Geschenken, nur für die eigenen Kinder im zweistelligen Wertebereich, derjenige, der sich einfach die Botschaft dieses Festes irgendwie bewahren konnte: Frieden auf Erden! Für alle anderen ist dieses Fest nur unnötiger Stress und sollte vielleicht von Atheisten nicht unbedingt gefeiert werden.
Weihnachten, das ist das Fest der Geschenke. Während man an Ostern die Geschenke noch umständlich im Garten oder der Wohnung suchen muss und im schlimmsten Fall dann nur Süßigkeiten bekommt, liegen die Weihnachtsgeschenke immer brav unter dem Tannenbaum.
Schlimm ist es dann, wenn man nicht das bekommt, was man sich gewünscht hat. Das Handy ist kein iPhone, der Laptop ist zu langsam, man bekommt nur ein Buch. Liebe Kinder, da müsst ihr eure Eltern korrekt erziehen. Es kann ja nicht angehen, dass sie euch das ganze Jahr über durchfüttern, nur um euch am Ende des Jahres mit zu billigen Geschenken zu entsetzen.
Aber zurück zu den Schenkern: Weihnachten ist ein echter Stress für die Erwachsenen. Man quält sich da ja wirklich. Es wollen ja alle gerecht beschenkt werden, kein Kind benachteiligt werden. Und wehe dir, wenn du deiner Freundin das Falsche schenkst oder deinem Freund. Da ist der Krach aber groß.
Daher geht man rechtzeitig ins Geschäft, am besten fängt man im November an, denn da sind die Geschäfte schon voll mit Zimtgebäck. Kaum sind die Halloweenkostüme weggeräumt, tauchen die Plätzchen auf.
Wer aber nicht rechtzeitig losgeht, sondern erst in den Adventswochen, oder gar in den letzten Tagen, der sieht sich mit knallvollen Kaufhäusern konfrontiert, in denen es von Menschen wimmelt, die selber zu spät gemerkt haben, dass sie jetzt ja was schenken müssen.
Schenken müssen. Heute Morgen sprach jemand im Radio davon, dass ein Geschenk nur dann ein Geschenk ist, wenn es von Herzen kommt. Warum gibt es dann so einen gesellschaftlichen Zwang, an Weihnachten Geschenke machen zu müssen. Ich sehe Mütter mit quengelnden Kindern, die irgendetwas im Oktober haben wollen und von den Müttern dann zu hören kriegen: „Nein, das bekommst du dann zu Weihnachten!“ Warum denn nicht gleich und an Weihnachten nichts mehr? Muss es denn einen zentralen Termin geben, an dem Kinderzimmer noch vollgestopfter werden?
Manche Bücherregale wimmeln ja nur von Büchern, die uns irgendjemand aus der Peinlichkeit, kein Geschenk zu haben, gekauft hat, die wir aber selber niemals lesen würden. Natürlich hat man sich artig bedankt, aber nicht gedacht: „Lieber gar nichts als Schoßgebete von Charlotte Roche“, sondern eher „Ich habe mir doch ein iPhone gewünscht, warum hab ich das nicht gekriegt?“ Und das Buch landet im Bücherregal, während man sich das iPhone nicht leisten kann, weil man sein gesamtes Geld für Geschenke ausgegeben hat, für Leute, die man nur einmal im Jahr sieht. Am Familienfest.
Familienfeste an Weihnachten sind eine tolle Sache. Man sieht Menschen, die man das ganze Jahr über nicht gesehen hat, und freut sich darüber, dass einem nach 10 Minuten wieder einfällt, warum man diese Menschen eigentlich gemieden hatte. Bei aufgesetzter Heiterkeit, alkoholischen Getränken und einem Festmahl, dass es tatsächlich nur am Fest gibt und große Löcher ins Budget der Familie reißt, tut man so, als ob man sich mögen würde, bis dann ab und zu die Fassade reißt und das Fest der Liebe zum Fest des Hassens wird.
In Familien, in denen das umgangen werden soll, wird oft im Laufe des Abends dann der Fernseher angeschaltet. An Weihnachten selber kommen ganz tolle Sendungen, zum Beispiel brachte der MDR das volle Weihnachtsoratorium von Bach mit dem Gewandhausorchester und den Thomanern in der Nikolaikirche in Leipzig.
In der vorweihnachtlichen Zeit allerdings sind die Medien voller abgedroschener Weihnachtsserien. Der Sack vom Weihnachtsmann sucht nach dem Weihnachtsmann, der Weihnachtsmann kämpft gegen seinen bösen Nachbarn, so richtig schön besinnlich. Die amerikanische Serie South Park hat deswegen den Weihnachtsmann gleich mit einem Maschinengewehr ausgestattet.
Der Weihnachtsmann taucht in allen möglichen Weihnachtssondersendungen auf. Überall hängen Weihnachtsmänner auf Kaufhäusern, Verpackungen und in der Werbung. Und überall, in allen Kindersendungen taucht die Botschaft auf: „Glaube an den Weihnachtsmann, sonst bist du ein schlechtes und böses Kind.“ Es gibt ein Statement im Internet, der Weihnachtsmann sei beliebter und cooler als Gott und Jesus. In einer dieser furchtbaren Sendungen mit Weihnachtsmann gibt es eine Folge, in der der Weihnachtsmann in die Zeit der Dinosaurier reist, nur um dort den Grundstein seines Hauses zu finden. Ergo: Den Weihnachtsmann gab es schon vor Christi Geburt, merkt euch das liebe Kinder. Der Weihnachtsmann ist eine sympathische Werbefigur für Coca Cola. Das kann er bleiben. Aber bitte doch nicht als Ersatzjesus (das Wort streicht mir meine Rechtschreibkorrektur berechtigt an). Übrigens kann mir die Aktion gegen den „Cola-Mann“ auch gestohlen bleiben, wer meint, an Weihnachten gegen Amerikanismus zu kämpfen, hat genauso viel verstanden, wie Menschen, die glauben, dass der Weihnachtsmann für Weihnachten verantwortlich ist.
Aber es ist ja nicht nur das Fernsehen, das unsäglich ist, in der Adventszeit. Das Wort kommt übrigens von advenire, ankommen und eigentlich heißt, dass man sich auf die Weihnachtszeit vorbereiten soll. Besinnlich wird es aber nicht gerade, wenn man das Radio anschaltet. Anstatt, dass man Weihnachtslieder bringt, es gibt da sehr schöne und auch ein paar wirklich Popkultur-freundliche Versionen, hört man im Radio hauptsächlich „Last Christmas“ von Wham. Ja, es kommt in dem Lied tatsächlich das Wort „Christmas“ vor, aber es ist ein Liebeslied, das kann man das ganze Jahr über spielen und hat eigentlich überhaupt nichts mit Weihnachten zutun. Es geht einem ungemein auf den Wecker. Und wenn dann doch irgendwo ein Lied gespielt wird, das mit dem Thema zutun hat, dann meistens „I’m dreaming of a white Christmas“. Ein schönes Lied, hat aber mit der Botschaft von Weihnachten überhaupt nichts zutun und beim hundertsten Mal nervt es einfach nur noch.
Aber ja, die Weihnachtsbotschaft. Weiß eigentlich jemand, worum es bei Weihnachten geht?
Wissenschaftlich gesehen ist das Fest natürlich die christliche Version eines heidnischen Ritus und tatsächlich, wie in „Weihnachtsmann & Co. KG“ gezeigt, älter als Jesus Christus. Aber das weiß eigentlich auch kaum jemand. Die Menschen marschieren in die Kirchen, was sie das ganze Jahr nicht getan haben und die Pfarrer enden jede Predigt damit, dass sie sich freuen würden, wenn die Leute doch an anderen Tagen wieder kommen würden. Tatsächlich kommen die ein oder anderen vermutlich nur deshalb, weil sie ihre Kinder irgendwo anders haben wollen, um ihnen nachher zu erzählen, dass der Weihnachtsmann da gewesen sei. Würden so coole Sachen passieren, während ich in der Kirche bin, würde ich da auch nicht mehr hinwollen.
Die Botschaft von Weihnachten, wieder in South Park mit Mr Hankey dem Weihnachtskot sehr schön kommentiert: „Geschenke“.
Die eigentliche Botschaft zählt nicht mehr. Leute, die mit Glauben und Religion kaum etwas am Hut haben, feiern ein Fest, ohne zu wissen, worum es geht. Es hat nichts mehr mit Besinnlichkeit zutun, sondern mit Kommerzialisierung. Es wird immer wieder lobend erwähnt, wie toll doch Weihnachten die Wirtschaft ankurbeln würde. Spannend ist dann zu betrachten, wie überzeugte Linke sich daran stören, dass der Papst den Weihnachtskommerz kritisiert. Aber was hat der Papst auch mit Weihnachten zutun?
Weihnachten, das ist das Fest von Streit, gigantischem Geldverlust, Stress und schlechter Laune. Wohl dem, der den ganzen Trubel darum vergessen kann und vielleicht im kleinsten Kreis der Familie einen schönen Abend hat, mit vielleicht Geschenken, nur für die eigenen Kinder im zweistelligen Wertebereich, derjenige, der sich einfach die Botschaft dieses Festes irgendwie bewahren konnte: Frieden auf Erden! Für alle anderen ist dieses Fest nur unnötiger Stress und sollte vielleicht von Atheisten nicht unbedingt gefeiert werden.
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