Polizeichef offenbar von Neonazi niedergestochen
Erschienen am 14.12.08 13:23 Uhr in der Kategorie Nachrichten.

Passaus Polizeidirektor ist vermutlich von einem Rechtsextremisten niedergestochen und schwer verletzt worden. Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach Mitgliedern einer Neonazi-Gruppe. In Passau hatte es mehrere Polizeiaktionen gegen die rechte Szene gegeben. Ein Mann mit Glatze hatte am gestrigen frühen Abend an der Tür des Wohnhauses von Polizeidirektor Alois Mannichl in Fürstenzell bei Passau geklingelt und dem 52-Jährigen ein Messer in den Bauch gerammt. Die Regionalzeitung Am Sonntag berichtete, es handle sich offenbar um einen Racheakt aus der Neonazi-Szene. Als der Polizeichef öffnete, soll der Unbekannte von «nationalem Widerstand» gesprochen haben. Nach dem Mordversuch habe der Täter das Messer mit einer zwölf Zentimeter Langen Klinge in den Vorgarten geworfen und sei zum Auto eines Komplizen gelaufen, der an einer Nebenstraße gewartet habe, schreibt die Zeitung. Der Polizeichef sei ansprechbar gewesen und habe seinen Kollegen sagen können, dass er den Täter bislang nie gesehen habe. Trotz der schweren Verletzungen bestand für den Beamten nach dem Anschlag keine Lebensgefahr. Die Kriminalpolizei leitete sofort eine Großfahndung ein. Dennoch konnte zunächst kein dringend Tatverdächtiger gefasst werden. Einzelheiten zu dem Mordanschlag wollte die Polizei heute Mittag bei einer Pressekonferenz bekanntgeben. Dazu werden auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Generalstaatsanwalt Christoph Strötz aus München erwartet. Mannichl ist bekannt für sein konsequentes Vorgehen gegen Rechtsextremisten in Passau. Im Juli hatten Rechte nach der Beerdigung eines ehemaligen Neonazi-Funktionärs in Passau randaliert und mehrere Menschen angegriffen. Da bei der Beisetzung auch eine Hakenkreuzflagge in das Grab geworfen wurde, hatten die Ermittler später das Grab öffnen und die Fahne entfernen lassen. Zuletzt hatte die NPD dem Polizeidirektor vorgeworfen, dass er bei einer Gedenkveranstaltung während des Volkstrauertags am 16. November Vertreter der extremistischen Partei «belästigt» habe.

Nachtrag:
Neonazi-Tat «hinterhältig und brutal»

Eine neue Dimension rechtsextremer Gewalt erschüttert Bayern. Nach dem Mordanschlag auf Passaus Polizeichef Alois Mannichl kündigt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ein konsequentes Vorgehen gegen Neonazis an. Mannichl war für seine Härte gegen Rechtsextreme bekannt. Ein derartiges Verbrechen habe es in Bayern seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben, sagte der CSU-Politiker heute in Passau. Er nannte die Tat «hinterhältig und brutal». Mannichl wurde am frühen gestrigen Abend in seinem Wohnhaus in Fürstenzell bei Passau angegriffen und schwer verletzt. Er entging offenbar nur knapp dem Tod, weil ihm eine Wunde zwei Zentimeter unter dem Herzen zugefügt wurde. Der Polizeidirektor wurde noch in der Nacht notoperiert und ist außer Lebensgefahr. Der 52 Jahre alte Beamte war in den vergangenen Monaten mehrfach gegen Rechtsextremisten vorgegangen und gilt in der Szene als Hassfigur. Mannichl ist deswegen insbesondere im Internet von den Rechten scharf kritisiert worden. Trotz einer Großfahndung in Niederbayern und dem angrenzenden Österreich konnte der Täter zunächst nicht gefasst werden. Sollten sich die bisherigen Ermittlungsergebnisse bestätigen, sei das «eine Eskalation der Gewalt», betonte Innenminister Herrmann. Der etwa 1,90 Meter große Mann hatte Mannichl vor der Tür seines Reihenhauses in der Dunkelheit aufgelauert, ihn zunächst mit nationalistischen Parolen beleidigt und ihm dann ein Messer in den Bauch gerammt. Die elf Zentimeter lange Klinge verfehlte das Herz nur knapp. Die Ärzte hoffen, dass Mannichl zu Weihnachten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden kann. Das Opfer wurde ebenso wie seine Familie unter Polizeischutz gestellt. In Passau hatte es in diesem Jahr mehrere Polizeiaktionen gegen die rechte Szene gegeben. Mit 83 rechtsextremistischen Straftaten verzeichnet die Polizei in dieser Region in diesem Jahr eine Verdoppelung im Vergleich zum vergangenen Jahr. Eine der Brennpunkte ist der Landkreis Rottal-Inn. Auch in Mannichls Heimatort Fürstenzell gibt es ein von Rechtsextremen frequentiertes Lokal. Gegen das Café Traudl protesierten immer wieder die Bürger der 8000 Einwohner zählenden Marktgemeinde. Dort engagiert sich der Polizeichef auch als Gemeinderat der Überparteilichen Wählergemeinschaft. Im Juli hatten Rechte nach der Beerdigung des Altnazis Friedhelm Busse in der Stadt randaliert und mehrere Menschen angegriffen. Da bei der Beisetzung auch eine Hakenkreuzflagge in das Grab geworfen wurde, hatten die Ermittler später das Grab öffnen und die Fahne entfernen lassen. Bei der Beerdigung anwesend war damals auch NPD-Bundesvorsitzender Udo Voigt. Zuletzt hatte die NPD dem Polizeidirektor vorgeworfen, dass er bei einer Gedenkveranstaltung während des Volkstrauertags am 16. November Mitglieder der extremistischen Partei «belästigt» habe. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung des Polizeichefs hat es nach Angaben der Ermittler aber nicht gegeben. Mannichl konnte nach dem Anschlag noch selbst seinen Kollegen Hinweise auf den Täter geben. Bisher wird nach Polizeiangaben zwar noch in alle Richtungen ermittelt, nach den ersten Erkenntnissen wird eine rechtsextremistische Tat aber als die wahrscheinlichste Version angesehen. Der Täter soll bei dem Attentat zu dem 52-Jährigen gesagt haben: «Viele Grüße vom nationalen Widerstand.» Anschließend warf der Mann das Messer in der Nähe weg und fuhr mit einem Auto davon. Die Polizei schließt nicht aus, dass in dem Wagen ein Komplize wartete. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen versuchten heimtückischen Mordes. Die Passauer Kriminalpolizei hat eine 20-köpfige Sonderkommission zur Aufklärung der Bluttat ins Leben gerufen, auch das Bayerische Landeskriminalamt ist in die Ermittlungen eingebunden.

Arne Beckmann



Trackbacks: (URL: http://www.youth-fm.de/trackback.php?id=194)

Noch keine Trackbacks vorhanden.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden. Logge dich ein und schreibe den ersten Kommentar.
Einloggen um einen Kommentar zu schreiben:

Username:

Passwort:



Dieser Artikel ist Eigentum des Jugendradios Youth FM und des jeweiligen Redakteurs. Ohne schriftliche Genehmigung dürfen Teile dieses Textes ausschließlich zur privaten Nutzung kopiert werden.
Eine Übersicht aller Artikel findest du in unserem Artikel-Archiv
Billige Reisen
Besuche doch mal unseren Teamspeak³-Server oder unseren Chat.