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Neonazi-Tat "hinterhältig und brutal"
Erschienen am 14.12.08 15:32 Uhr in der Kategorie Nachrichten.

Eine neue Dimension rechtsextremer Gewalt erschüttert Bayern. Nach dem Mordanschlag auf Passaus Polizeichef Alois Mannichl kündigt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ein konsequentes Vorgehen gegen Neonazis an. Mannichl war für seine Härte gegen Rechtsextreme bekannt. Ein derartiges Verbrechen habe es in Bayern seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben, sagte der CSU-Politiker heute in Passau. Er nannte die Tat «hinterhältig und brutal». Mannichl wurde am frühen gestrigen Abend in seinem Wohnhaus in Fürstenzell bei Passau angegriffen und schwer verletzt. Er entging offenbar nur knapp dem Tod, weil ihm eine Wunde zwei Zentimeter unter dem Herzen zugefügt wurde. Der Polizeidirektor wurde noch in der Nacht notoperiert und ist außer Lebensgefahr. Der 52 Jahre alte Beamte war in den vergangenen Monaten mehrfach gegen Rechtsextremisten vorgegangen und gilt in der Szene als Hassfigur. Mannichl ist deswegen insbesondere im Internet von den Rechten scharf kritisiert worden. Trotz einer Großfahndung in Niederbayern und dem angrenzenden Österreich konnte der Täter zunächst nicht gefasst werden. Sollten sich die bisherigen Ermittlungsergebnisse bestätigen, sei das «eine Eskalation der Gewalt», betonte Innenminister Herrmann. Der etwa 1,90 Meter große Mann hatte Mannichl vor der Tür seines Reihenhauses in der Dunkelheit aufgelauert, ihn zunächst mit nationalistischen Parolen beleidigt und ihm dann ein Messer in den Bauch gerammt. Die elf Zentimeter lange Klinge verfehlte das Herz nur knapp. Die Ärzte hoffen, dass Mannichl zu Weihnachten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden kann. Das Opfer wurde ebenso wie seine Familie unter Polizeischutz gestellt. In Passau hatte es in diesem Jahr mehrere Polizeiaktionen gegen die rechte Szene gegeben. Mit 83 rechtsextremistischen Straftaten verzeichnet die Polizei in dieser Region in diesem Jahr eine Verdoppelung im Vergleich zum vergangenen Jahr. Eine der Brennpunkte ist der Landkreis Rottal-Inn. Auch in Mannichls Heimatort Fürstenzell gibt es ein von Rechtsextremen frequentiertes Lokal. Gegen das Café Traudl protesierten immer wieder die Bürger der 8000 Einwohner zählenden Marktgemeinde. Dort engagiert sich der Polizeichef auch als Gemeinderat der Überparteilichen Wählergemeinschaft. Im Juli hatten Rechte nach der Beerdigung des Altnazis Friedhelm Busse in der Stadt randaliert und mehrere Menschen angegriffen. Da bei der Beisetzung auch eine Hakenkreuzflagge in das Grab geworfen wurde, hatten die Ermittler später das Grab öffnen und die Fahne entfernen lassen. Bei der Beerdigung anwesend war damals auch NPD-Bundesvorsitzender Udo Voigt. Zuletzt hatte die NPD dem Polizeidirektor vorgeworfen, dass er bei einer Gedenkveranstaltung während des Volkstrauertags am 16. November Mitglieder der extremistischen Partei «belästigt» habe. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung des Polizeichefs hat es nach Angaben der Ermittler aber nicht gegeben. Mannichl konnte nach dem Anschlag noch selbst seinen Kollegen Hinweise auf den Täter geben. Bisher wird nach Polizeiangaben zwar noch in alle Richtungen ermittelt, nach den ersten Erkenntnissen wird eine rechtsextremistische Tat aber als die wahrscheinlichste Version angesehen. Der Täter soll bei dem Attentat zu dem 52-Jährigen gesagt haben: «Viele Grüße vom nationalen Widerstand.» Anschließend warf der Mann das Messer in der Nähe weg und fuhr mit einem Auto davon. Die Polizei schließt nicht aus, dass in dem Wagen ein Komplize wartete. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen versuchten heimtückischen Mordes. Die Passauer Kriminalpolizei hat eine 20-köpfige Sonderkommission zur Aufklärung der Bluttat ins Leben gerufen, auch das Bayerische Landeskriminalamt ist in die Ermittlungen eingebunden.

Arne Beckmann



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