Mischen Possible
Erschienen am 19.12.08 11:06 Uhr in der Kategorie Nachrichten.
Mein Müsli, mein Tee und mein Parfüm - mit der neuen Mischkultur im Netz ist alles möglich. User können jetzt Produkte selbst kreieren, ganz nach ihrem persönlichen Stil. Ein Trend, der das künftige Konsumverhalten verändern könnte. Wer kennt das nicht? Morgens möchte man sich mit einem Müsli stärken, doch die Rosinen in der Müslipackung schmecken nicht. Der Tee ist ohne ein Schuss Zitrone unerträglich und das geschenkte Parfüm ist ohne den animalischen Moschusduft auch nicht aufzutragen. Abhilfe schaffen Online-Portale wie mymuesli.com, myparfuem.com oder myteamix.de. Individuell und in wenigen Schritten kann man sich im Netz aus einer Vielzahl von Zutaten sein eigenes Produkt zusammenstellen. Und es dann meistens sogar noch selbst benennen. Das fertige Produkt wird anschließend direkt nach Hause oder ins Büro geliefert. Das «Mitmach-Netz» im Sinne des Web 2.0 bietet also neue Ansätze den Konsumenten in die Produktentwicklung mit einzubeziehen. «Co-Kreation, so dass Fachwort, wird immer mehr an Bedeutung gewinnen», versichert Trendforscher Peter Wippermann. «Die Entwicklungen sind schon seit vielen Jahren zu beobachten: Zuerst in der Musikindustrie mit dem Sampeln von Musikstücken und nun findet die Remix-Kultur auch in der Industriekultur statt. Der Konsument wird nun quasi Mitarbeiter des Unternehmens.» Die neue Strategie scheint aufzugehen: Online-Mix-Portale agieren sehr erfolgreich auf dem Markt. Wunschprodukte werden eher verkauft als handelsübliche Waren. «Fabrikprodukte sind eigentlich sinnlos, denn bei der Produktion hat das Unternehmen meist nur eine Zielgruppe und einen Mittelwert, trifft also eher selten den Geschmack jedes einzelnen Konsumenten. Bei der Co-Kreation ist es umgekehrt: Der Konsument übernimmt die Fähigkeit der Produktion mit», erklärt Wippermann. Mitmischen kann der User mittlerweile bei den Müslimixern. Auf mymuesli.com stehen 75 Zutaten zur Auswahl, was eine gigantische Anzahl von 566 Billiarden Müslivariationen ergibt. Das Angebot reicht von den üblichen Haferflocken, Dinkelpops über Macadamia-Nüsse und Kokosraspeln bis hin zu Gummibärchen. Myparfuem.com bietet im Vergleich nur 8 Billiarden Duftvariationen. Auf die Frage, ob solch eine Vielfalt nicht zu einer Überforderung der Users führt, antwortete der Parfümmixer Matti Niebelschütz, einer der drei Geschäftsführer von MyParfuem, mit einem klaren Nein: «Durch die Fülle an ungeahnten Möglichkeiten biete ich dem Nutzer einen Mehrwert beim Mischen. Überfordert ist glaube ich keiner, denn mit Hilfe unseres Duftdesigners, kann man auf der Website sehen, wie sich der Duft entwickelt.» Auch Müslimixer Max Wittrock, einer der drei Geschäftsführer bei MyMuesli, meint: «75 Zutaten sind eine überschaubare Zahl. In handelsüblichen Supermärkten gibt es Tausende von Produkten. Diese Billiardenzahl ist nur ein Wunder der Stochastik, die aus der unendlichen Möglichkeit des Mischens resultiert.» Nach Ansicht des Teemixers André Kramp von myteamix.de gibt es tatsächlich User, die überfordert sind mit dem Überangebot: «Deshalb beschränken wir uns bei MyTeaMix auf saisonale Produkte. Im Sommer achten wir beispielsweise darauf, auch Teekaltgetränke zum Mischen anzubieten», erklärt Kramp. Doch in einem sind sich alle Geschäftsführer der drei Online-Mix-Portale einig: Das Bewusstsein einer Mischkultur gibt es schon sehr lange. Ob es Experimentierfreude ist, der Drang nach Individualität oder ob man einfach seinen persönlichen Stil unterbringen will - der Wunsch nach selbst kreierten Produkten besteht schon seit Jahren. «Die Idee ist also nicht neu, nur die Technologien machen es erst jetzt möglich und natürlich das große Wachstum im E-Commerce», erklärt MyMuesli-Geschäftsführer Max Wittstock. Wenn man sich genau im Netz umschaut, kann man bereits viele Produkte selbst mitbestimmen: Ob Jacken, Schokolade, Cocktails, Mountainbikes oder Sportschuhe. Im Netz ist alles möglich geworden. Doch wo wird die Mischkultur noch hinführen? Auch hier sind sich die Online-Mixer einig: «Möglich sein wird ziemlich viel. Jedoch werden sich in Zukunft nur solche Mix-Produkte durchsetzen, die wirklich Mehrwert besitzen, sei es durch einen niedrigen Preis oder eine andere Funktion», erklärt MyParfuem-Geschäftsführer Matti Niebelschütz. Trendforscher Peter Wippermann meint, dass sich das Konsumverhalten noch weiterentwickeln wird, die Tendenz gehe dahin, dass sich immer mehr Konsumenten an den Produkten beteiligen wollen. «Onlineportale, die auf Co-Kreation setzen, werden also in Zukunft weiterhin wachsen», verspricht Wippermann. Mitmischen, statt nur konsumieren, wird also das neue Stichwort sein.
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