Israel zu langen Wochen des Kampfes bereit
Erschienen am 31.12.08 16:34 Uhr in der Kategorie Nachrichten.
Ungeachtet internationaler Forderungen nach einer Waffenruhe setzt Israel die Luftangriffe im Gazastreifen unvermindert fort. Den fünften Tag in Folge griff die Luftwaffe Ziele der radikal-islamischen Hamas an. Insgesamt seien seit Mitternacht 35 Angriffe geflogen worden, sagte ein israelischer Armeesprecher. Das israelische Sicherheitskabinett versammelte sich unterdessen zu Beratungen über einen französischen Vorschlag, eine 48-stündige Waffenruhe einzulegen. Der amtierende Ministerpräsident Ehud Olmert hatte den Vorschlag allerdings am Vorabend bereits abgelehnt. Israel sei zu «langen Wochen des Kampfes» bereit, sagte gestern Vize-Verteidigungsminister Matan Vilnai. Auch militante Palästinenser setzten ihre Angriffe auf Israel fort. Zehn Raketen seien im Grenzgebiet eingeschlagen, sagte heute ein Polizeisprecher. In Beerschewa explodierten zwei Raketen, eine davon in einem leeren Schulgebäude. Zwei weitere Raketen schlugen in der näher am Gazastreifen gelegenen Stadt Ofakim ein. Ziel der israelischen Attacken waren Regierungsgebäude in Gaza, darunter das Büro des ehemaligen Ministerpräsidenten Ismail Hanija (Hamas). Außerdem seien Schmugglertunnel an der Grenze zu Ägypten bombardiert worden. Nach palästinensischen Angaben wurde in Dschabalia nördlich von Gaza ein Sanitäter bei einem Luftangriff getötet, zwei weitere seien verletzt worden. Seit Beginn der Offensive am Samstag sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza mehr als 380 Palästinenser getötet und etwa 1800 verletzt worden. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sind bei den jüngsten israelischen Angriffen Teile des ägyptischen Grenzzauns zerstört worden, was rund rund 500 Palästinenser zur Flucht ins Nachbarland nutzten. Ein Polizeisprecher sagte in der Nacht zum Mittwoch, 125 von ihnen seien bereits festgenommen und zurück in den Gazastreifen geschickt worden. Einige Palästinenser wurden nach Angaben von Augenzeugen von ägyptischen Familien vor der Polizei versteckt. Die Bombardierung, die wohl vornehmlich den Schmugglertunneln zwischen dem Gazastreifen und der ägyptischen Sinai-Halbinsel galt, hatte gestern Abend bis zu 20 Kilometer von der Grenze entfernt die Erde erzittern lassen. Um die Grenze trotz der Zerstörungen geschlossen zu halten, wurden laut Augenzeugen rund 1000 ägyptische Polizisten der Zentralen Sicherheitsbehörde dorthin geschickt. Präsident Husni Mubarak hatte gestern bekräftigt, der Grenzübergang Rafah sei trotz der massiven israelischen Angriffe nur für Hilfsgüter und Verletzte geöffnet. Ein Sprecher des Roten Halbmondes sagte am Morgen, seit Beginn der Luftangriffe am vergangenen Samstag seien 56 verletzte Palästinenser nach Ägypten gebracht worden. Mehrere arabische Staaten schickten via Rafah mit Lastwagen Hilfsgüter in den Gazastreifen. Libyen und Saudi-Arabien schickten Flugzeuge als «fliegende Ambulanzen».
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