Aktueller Titel: Keane: "Spiralling"
Bis jetzt bleiben die Leitungen leer
Erschienen am 13.1.09 16:56 Uhr in der Kategorie Nachrichten.

Trotz angeblich geöffneter russischer Gashähne für die Pipelines durch die Ukraine kommt kaum Gas in Westeuropa an. Die EU-Kommission nennt die Lage deshalb «sehr ernst». Die Möglichkeiten zur Überwachung des Gasstroms seien außerdem unzureichend. Auch nach dem von Russland verkündeten Wiederaufdrehen des Gashahns bleibt es fraglich, wann das Gas in Westeuropa ankommt. Der russische Staatskonzern Gazprom warf der Ukraine heute nur wenige Stunden nach der Wiedereröffnung der Gasleitungen vor, die Lieferungen nach Westeuropa zu blockieren und illegal Gas für eigene Zwecke abzuzweigen. Der stellvertretende Gazprom-Chef Alexander Medwedew erklärte, die Ukraine halte die Transitleitungen geschlossen. Die EU-Beobachter berichteten, dass wenig oder kein Gas von Russland und der Ukrainie nach Westeuropa ströme. Es seien nur «sehr begrenzte» Mengen an Gas in Richtung Ukraine geleitet worden, und dies auch nur durch einen einzigen Einspeispunkt aus Russland, erklärte EU-Sprecher Ferran Tarradellas Expuny. Unabhängig davon hieß es gestern, es könne bis zu 30 Stunden dauern, ehe das Gas den Weg von Russland über die Ukraine bis nach Westeuropa zurückgelegt hat. Andere Experten waren in den Tagen davor sogar von bis zu drei Tagen ausgegangen. Die EU-Beobachter hätten außerdem immer noch keinen vollständigen und freien Zugang zu den Verteilzentren in Moskau und Kiew, um die Menge des gelieferten Gases zu überprüfen. «Sie haben keinen Zugang zu den eigentlichen Kontrollräumen, in denen sie die Gasvolumen überprüfen könnten», sagte Ferran Tarradellas Expuny heute in Brüssel. Er rief die russische und die ukrainische Regierung auf, den Experten vollen Zugang zu den Verteilerzentren zu ermöglichen. Russland hatte nach eigenen Angaben um 8 Uhr (MEZ) nach einer Woche Unterbrechung wieder damit begonnen, Gas über die Ukraine in Richtung EU zu pumpen. Nach der Wiederaufnahme der Lieferungen können nach Einschätzung der EU-Kommission wegen des Langen Transportweges rund 24 Stunden vergehen, bis tatsächlich Gas in der EU eintrifft. Nach Informationen aus Moskau und Kiew könnte das russische Gas binnen zehn Stunden die ukrainische Ostgrenze und nach weiteren zwölf Stunden die EU erreichen, hatte die EU gestern mitgeteilt. Das Abdrehen des Gashahns hatte sich auf über 15 Länder ausgewirkt. Am stärksten betroffen waren Bosnien, Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Serbien und die Slowakei. Die Ukraine bleibt wegen des Streits mit Russland über die Preise für das laufende Jahr und über die Gebühren für den Gastransport weiter von den russischen Lieferungen ausgenommen. Der russische Staatskonzern Gazprom hatte die Wiederaufnahme der Lieferungen vom Einsatz einer Beobachtermission zur Überwachung der Gaslieferungen durch die Ukraine abhängig gemacht. Über deren Stationierung wurde am Montag nach tagelangem Streit Einvernehmen erzielt. ach dem Abkommen sollen die Beobachter an fünf Messstationen in der Ukraine und an fünf Messstationen in Russland eingesetzt werden. Außerdem sollen sie die unterirdischen Gasspeicher in der Ukraine und die Transitstellen zu den westlichen Nachbarstaaten des Landes überwachen. Gazprom hatte die Lieferungen an die EU über ukrainische Leitungen am vergangenen Dienstag eingeschränkt und dann ganz gestoppt. Der Konzern warf der Ukraine vor, die Pipelines angezapft zu haben. Die Ukraine wird von Gazprom wegen Vertragsstreitigkeiten schon seit dem Neujahrstag nicht mehr beliefert.

Arne Beckmann



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