Kolumne: Automatisierung – wann geht es zu weit?
Erschienen am 14.11.09 21:48 Uhr in der Kategorie Nachrichten.
Automatisierung ist ein Thema, welches seit Zeiten der Industrialisierung immer mehr auf uns zukommt. Sie ist ein Zeichen dafür, dass die Industrialisierung auch hierzulande immer weitergeht und noch lange nicht an ein Ende denkt. Sie ist ein Zeichen dafür, dass sich Visionen aus Vergangenheiten realisieren lassen können, dass Maschinen, durch Menschen geschaffen, die Natur übertrumpfen können. Sie ist aber auch ein Zeugnis für bitteres Verderben.
Den Ansporn, über dieses Thema offen zu schreiben, gab mir ein Besuch in der Göppinger Stadtbücherei in den vergangenen Tagen. Als Freund der gedruckten Literatur, gerade was auch das Thema Schule angeht, bin ich sehr froh, dass es in unserer doch recht kleinen Stadt eine wirklich tolle Stadtbücherei gibt. Das Angebot ist groß, ich finde immer genau das, was ich brauche. In unserer Generation, in der alles immer noch schneller und effizienter laufen muss, habe ich es mir bisher immer gegönnt, auf die elektrische Suche nach Büchern in den Regalen zu verzichten und in aller Ruhe durch die Bücherregale in dem alten Fachwerkhaus zu schlendern, in Kauf nehmend, dass das auch mal länger dauern könnte, und nach den richtigen Werken zu schauen. Verabschiedet wurde ich immer vom Lächeln einer netten Dame am Tresen, die meine Bücher in ihrem Computer als entliehen markiert hat. Es war mir damals immer ein echtes Vergnügen, ein mal pro Woche in diese von der Stadt geförderte Einrichtung zu gehen, auch, um einfach mal nur dort im Foyer entspannt durch ein paar Bücher zu blättern. Aber diese Zeiten sind wohl vorbei. Leider.
Denn Bücher werden schon lange nicht mehr von Hand gescannt. Lediglich die Rückgabe war eine Zeit lang noch echte, gewürdigte Handarbeit. Mitarbeiter wurden durch Maschinen ersetzt. Das Bild im Gebäude entwickelte sich so, dass Leute heutzutage verzweifelt vor den „Ausleihautomaten“ stehen, ihre Bücher unter den Scanner klatschen und dann ohne ein Wort das Gebäude wieder verlassen. Außer, wenn ab und zu mal der Automat versagte, dann gibt es mal einen kurzen, genervten Wortaustausch mit der netten Bibliothekarin von damals, die auch schon sichtlich gereizt zu sein scheint von den Fehlerchen ihres neuen Roboterkollegen. Soll sie das ihm aber mal nicht so übel nehmen, „Menschen“ machen eben mal Fehler.
Doch dass sie bald selbst einmal um ihren (vielleicht geliebten) Beruf bangen muss, daran hat sie in dieser Phase sicher selbst noch nicht gedacht oder einfach nicht denken wollen. Denn was ich am vergangenen Freitag dort erlebt habe, als ich ohne jedes Vorwissen einfach nur meine Bücher (deren Leihfrist zugegebenermaßen mal wieder abgelaufen war, weil ich vergessen habe, über das Internet deren Leihfrist zu verlängern) abgeben, hat mich wirklich sprachlos gemacht. In der Zeitung wurde mal am Rande kurz erwähnt, dass es eine einwöchige Umbauphase geben würde, aber dass mich nach dieser Aktion so etwas dort erwarten würde, damit habe ich gar nicht gerechnet, damit wollte ich auch niemals rechnen. Denn das kleine Foyer am Eingang, in dem damals noch Sitzgelegenheiten waren und wo man seine Taschen, etc. in kostenlosen Schließfächern (also recht kundenfreundlich) unterbringen konnte, mussten weiteren Maschinen weichen. Ähnlich wie Pfandflaschenautomaten nehmen dort neue Maschinen nun auch die Bücher, die man zurückgeben möchte, zurück. Einfach aufs Band legen und den Rest übernimmt der Computer! Da ich erst einmal mit dieser Umstellung überfordert war, ging ich einfach weiter direkt in die Bibliothek, wo mich aber direkt eine der einstigen Mitarbeiterinnen abfing und mir das System erklärte. Genervt davon, dass nun wirklich jeder soziale Aspekt verloren gegangen ist, habe ich genervt das Gebäude wieder verlassen, so schnell wie möglich.
Die Frage ist doch, in wieweit es nötig ist, solche Umstellungen zu machen. Okay, damals im 19. Jahrhundert, als es eine wahrhafte Bevölkerungsexplosion gab, da waren solche Automatisierungsmaßnahmen und technischen Innovationen wirklich wichtig, denn wie hätte man denn sonst die steigende Anzahl an Menschen ernähren sollen? Aber sind wir nicht langsam da angekommen, wo man auch in bestimmten Bereichen halblang machen können sollte? Im Fall der Bücherei wäre da der nächste Schritt, dass man demnächst seine Bücher nur noch per USB Stick bekommt und man dann auch aufs Papier verzichten muss? In Zeiten, in denen es immer mehr Arbeitslose gibt, muss man da Menschen unbedingt durch Maschinen ersetzen? Vorallem: Ist es Aufgabe unseres Landes oder unseres Staates, auch für Arbeitsplätze zu sorgen, oder ist es völlig normal, dass man Steuergelder lieber für teure Maschinen ausgibt, die das Schicksal weiterer Menschen durch Arbeitslosigkeit unsicher machen werden?
Es gibt ja auch neuerdings Supermärkte, bei denen es keine Kassierer mehr gibt, weil auch diese durch viel fehlerfreier arbeitende, emotionsunabhängige Apparaturen ausgetauscht wurden. Ob das alles wirklich viel schneller geht, als wenn mich ein Mensch bedient, das bleibt wirklich fragwürdig. Auch ist die Frage, was hier bei einem Stromausfall unternommen wird oder was geschieht, wenn das ach so „perfekte System“ einmal versagen sollte. Wird es dann eine hilfsbereite Hand geben, die versucht, das Beste aus der Situation zu machen? Oder sind wir dann allein auf uns selbst gestellt in einer halbverchromten Welt, die sich vollends auf unbegrenzte Energien verlässt? Ist es okay, sich in jeder Alltagssituation von Robotern, Computern und ihrer Verwandtschaft abhängig zu machen?
Den Ansporn, über dieses Thema offen zu schreiben, gab mir ein Besuch in der Göppinger Stadtbücherei in den vergangenen Tagen. Als Freund der gedruckten Literatur, gerade was auch das Thema Schule angeht, bin ich sehr froh, dass es in unserer doch recht kleinen Stadt eine wirklich tolle Stadtbücherei gibt. Das Angebot ist groß, ich finde immer genau das, was ich brauche. In unserer Generation, in der alles immer noch schneller und effizienter laufen muss, habe ich es mir bisher immer gegönnt, auf die elektrische Suche nach Büchern in den Regalen zu verzichten und in aller Ruhe durch die Bücherregale in dem alten Fachwerkhaus zu schlendern, in Kauf nehmend, dass das auch mal länger dauern könnte, und nach den richtigen Werken zu schauen. Verabschiedet wurde ich immer vom Lächeln einer netten Dame am Tresen, die meine Bücher in ihrem Computer als entliehen markiert hat. Es war mir damals immer ein echtes Vergnügen, ein mal pro Woche in diese von der Stadt geförderte Einrichtung zu gehen, auch, um einfach mal nur dort im Foyer entspannt durch ein paar Bücher zu blättern. Aber diese Zeiten sind wohl vorbei. Leider.
Denn Bücher werden schon lange nicht mehr von Hand gescannt. Lediglich die Rückgabe war eine Zeit lang noch echte, gewürdigte Handarbeit. Mitarbeiter wurden durch Maschinen ersetzt. Das Bild im Gebäude entwickelte sich so, dass Leute heutzutage verzweifelt vor den „Ausleihautomaten“ stehen, ihre Bücher unter den Scanner klatschen und dann ohne ein Wort das Gebäude wieder verlassen. Außer, wenn ab und zu mal der Automat versagte, dann gibt es mal einen kurzen, genervten Wortaustausch mit der netten Bibliothekarin von damals, die auch schon sichtlich gereizt zu sein scheint von den Fehlerchen ihres neuen Roboterkollegen. Soll sie das ihm aber mal nicht so übel nehmen, „Menschen“ machen eben mal Fehler.
Doch dass sie bald selbst einmal um ihren (vielleicht geliebten) Beruf bangen muss, daran hat sie in dieser Phase sicher selbst noch nicht gedacht oder einfach nicht denken wollen. Denn was ich am vergangenen Freitag dort erlebt habe, als ich ohne jedes Vorwissen einfach nur meine Bücher (deren Leihfrist zugegebenermaßen mal wieder abgelaufen war, weil ich vergessen habe, über das Internet deren Leihfrist zu verlängern) abgeben, hat mich wirklich sprachlos gemacht. In der Zeitung wurde mal am Rande kurz erwähnt, dass es eine einwöchige Umbauphase geben würde, aber dass mich nach dieser Aktion so etwas dort erwarten würde, damit habe ich gar nicht gerechnet, damit wollte ich auch niemals rechnen. Denn das kleine Foyer am Eingang, in dem damals noch Sitzgelegenheiten waren und wo man seine Taschen, etc. in kostenlosen Schließfächern (also recht kundenfreundlich) unterbringen konnte, mussten weiteren Maschinen weichen. Ähnlich wie Pfandflaschenautomaten nehmen dort neue Maschinen nun auch die Bücher, die man zurückgeben möchte, zurück. Einfach aufs Band legen und den Rest übernimmt der Computer! Da ich erst einmal mit dieser Umstellung überfordert war, ging ich einfach weiter direkt in die Bibliothek, wo mich aber direkt eine der einstigen Mitarbeiterinnen abfing und mir das System erklärte. Genervt davon, dass nun wirklich jeder soziale Aspekt verloren gegangen ist, habe ich genervt das Gebäude wieder verlassen, so schnell wie möglich.
Die Frage ist doch, in wieweit es nötig ist, solche Umstellungen zu machen. Okay, damals im 19. Jahrhundert, als es eine wahrhafte Bevölkerungsexplosion gab, da waren solche Automatisierungsmaßnahmen und technischen Innovationen wirklich wichtig, denn wie hätte man denn sonst die steigende Anzahl an Menschen ernähren sollen? Aber sind wir nicht langsam da angekommen, wo man auch in bestimmten Bereichen halblang machen können sollte? Im Fall der Bücherei wäre da der nächste Schritt, dass man demnächst seine Bücher nur noch per USB Stick bekommt und man dann auch aufs Papier verzichten muss? In Zeiten, in denen es immer mehr Arbeitslose gibt, muss man da Menschen unbedingt durch Maschinen ersetzen? Vorallem: Ist es Aufgabe unseres Landes oder unseres Staates, auch für Arbeitsplätze zu sorgen, oder ist es völlig normal, dass man Steuergelder lieber für teure Maschinen ausgibt, die das Schicksal weiterer Menschen durch Arbeitslosigkeit unsicher machen werden?
Es gibt ja auch neuerdings Supermärkte, bei denen es keine Kassierer mehr gibt, weil auch diese durch viel fehlerfreier arbeitende, emotionsunabhängige Apparaturen ausgetauscht wurden. Ob das alles wirklich viel schneller geht, als wenn mich ein Mensch bedient, das bleibt wirklich fragwürdig. Auch ist die Frage, was hier bei einem Stromausfall unternommen wird oder was geschieht, wenn das ach so „perfekte System“ einmal versagen sollte. Wird es dann eine hilfsbereite Hand geben, die versucht, das Beste aus der Situation zu machen? Oder sind wir dann allein auf uns selbst gestellt in einer halbverchromten Welt, die sich vollends auf unbegrenzte Energien verlässt? Ist es okay, sich in jeder Alltagssituation von Robotern, Computern und ihrer Verwandtschaft abhängig zu machen?
Trackbacks: (URL: http://www.youth-fm.de/trackback.php?id=705)
Noch keine Trackbacks vorhanden.Dieser Artikel ist Eigentum des Jugendradios Youth FM und des jeweiligen Redakteurs. Ohne schriftliche Genehmigung dürfen Teile dieses Textes ausschließlich zur privaten Nutzung kopiert werden.
Eine Übersicht aller Artikel findest du in unserem Artikel-Archiv









Kommentare
Unabhängig vom Inhalt fand ich den Text klasse geschrieben.