Mumford & Sons im Interview
Erschienen am 30.4.10 23:47 Uhr in der Kategorie VIP News.
Mit ihrem Album „Sigh No More“ haben Mumford and Sons es endgültig geschafft: Ausverkaufte Konzerte in aller Welt, Platz 1 in Irland und Australien und ein Eintrag in die Liste der Hoffnungsträger für 2009 der BBC. In Deutschland ist die Band insbesondere für ihre dritte Single, „The Cave“, bekannt. Wir haben die außergewöhnlichen Musiker getroffen und ein ausgiebiges Gespräch mit Marcus Mumford und dem Bassisten Ted Dwane geführt. Dabei wurde uns verraten, warum sie nicht gerne in eine Schublade gesteckt werden und wie sie zu öffentlicher Nacktheit stehen.
Wie seid ihr mit dem Musikmachen in Kontakt gekommen? Ist es richtig, dass ein paar von euch früher Jazz gespielt haben?
Marcus Mumford: Winston wuchs mit Heavy Metal auf. Ben und ich waren zusammen in einer Jazz-Band. Ich spielte Schlagzeug, er Piano. Da waren wir so elf oder zwölf Jahre alt. Wir haben Jazz Standards gespielt. Bis wir 18 waren machten wir das. Ted, du hast viel Blues gespielt...
Ted Dwane: Ja. Blues-Gitarre. So habe ich angefangen.
Marcus Mumford: Es war großartig. Mein Schlagzeuglehrer coachte uns irgendwie und zeigte uns, wie man in einer Band spielt. Wir waren zu fünft und es war großartig so früh Jazz und vor allem Jazz-Drums zu lernen. Man muss wirklich sehr genau hinhören was die anderen machen, vor allem vom Schlagzeug ausgehend. Man lernt sehr schnell, wie es ist in einer Band zu sein. Das war sehr wichtig für meine musikalische Erziehung, die natürlich immer noch andauert. Es ist sicherlich ungewöhnlich, aber wir hatten einen guten Jazz-Lehrer an unserer Schule.
Warum der Albumtitel „Sigh No More“?
MM: Es ist eigentlich eine Redewendung aus einem William Shakespeare Stück, das „Much Ado About Nothing“ heißt. Es ist eines meiner Lieblingsstücke von Shakespeare und ich mag ihn sehr. Das tolle an Shakespeare ist, dass man seine Texte klauen kann und dich kein Anwalt anruft, denn er ist schon lange tot. Er ist einer der besten englischen Lyriker aller Zeiten. Man kann ihn also nach belieben benutzen und niemand wird dich anrufen und verklagen. Die Worte in dem Stück machten jede Menge Sinn als ich sie geschrieben habe. Der Anfang von „Much Ado About Nothing“, wenn Beatrice, die Hauptfigur, über Männer und ihre Charaktere spricht. Darum geht es auf dem Album. Sie spricht zu den Frauen und sagt: „Sigh no more, ladies, sigh no more, / men were deceivers ever, / one foot in sea, and one on shore, / to one thing constant never.“ Es wird darüber gesprochen, wie Männer schwanken. Sie versuchen so männlich, hart und stark zu sein. Aber eigentlich sind sie innen drin durcheinander. Sie machen nie das was sie sagen. Gerade als Mann damit umzugehen, darum geht es auf dem Album.
Was inspiriert euch neben anderer Musik?
MM: Ich denke es gibt einen Song der eine Geschichte erzählt. Es ist eine Erzählung. Viele Inspirationen bekommen wir von den Sachen die wir lesen. Winston schrieb „Winter Winds“, das dritte Stück, und er hat viel von Camus gelesen. Er las „Das Spiel“ von Camus und das fließt in den Song mit ein. „Dust Bowl Dance“, das narrative Stück wurde von der John Steinbeck Novelle „Früchte des Zorns“ inspiriert. Das war mein Lieblingsstück von ihm, als wir durch Amerika gefahren sind. „Timshel“ wurde von „Jenseits von Eden “ beeinflusst, ebenfalls ein Stück von John Steinbeck. Ich finde es schwer zu sagen, dass es nur eine Sache gibt, von dem das Album handelt, es ist nicht nur eine Sache die uns inspiriert. Es ist alles und deshalb ist das Album wie ein Tagebuch. Wir werden nicht mehr von Büchern als von Filmen inspiriert und wir werden vom Theater auch nicht mehr als von Musik beeinflusst. Es ist ein großer Melting Pot.
Es steckt viel Bluegrass in eurer Folk-Musik. Spielt der Einfluss amerikanischer Musik eine große Rolle für euren Sound?
TD: Es ist Folk-Musik. Viele der Bluegrass-Wurzeln liegen in der keltischen Musik. Die Folk-Tradition ist eine Generationssache und es geht uns nur um die Songs. Weil da ein Banjo ist denken die Leute vielleicht an amerikanische Einflüsse. Wir hören viel amerikanische Musik wie alle anderen. Geht es um Einflüsse, ist es keine bewusste Sache. Es ist etwas, dass sich einschleicht und dann umgesetzt wird. So läuft das mit Einflüssen.
MM: Bluegrass ist eine großartige Musik, die Leute zusammenbringt und involviert. Jeder kann zu Bluegrass mit dem Fuß klopfen und damit etwas anfangen, selbst wenn man das Banjo hasst. Man kann dem nicht widerstehen. Es hat etwas gemeinschaftliches, das Spaß macht. Und das ist ein großer Teil wie wir seit dem Anfang als Band waren. Wir wollten Spaß haben, die Leute sollen eine gute Zeit haben und tanzen.
Für eure Musik gibt es jede Menge Namen. Folk & Roll ist einer davon. Was haltet ihr davon?
MM: Folk & Roll ist gut. Ich habe keine Ahnung was New-Folk sein soll. Neo-Folk? New-Wave-Folk?
TD: Wenn wir Interviews geben, hören wir das erste Mal von diesen Namen. Folk & Roll ist die einzige Sache, die wir irgendwie mögen, weil wir eine Folk-Band sind, aber sehr laut spielen. Folk & Roll macht irgendwie Sinn.
MM: Wir wollen nicht - keine Band will wirklich ein Label einer ganz bestimmten Sache aufgedrückt bekommen. Wir sind kreative Leute und wollen nicht an einer Sache festgebunden werden. Wenn wir nur als eine Folk-Band oder als eine New-Folk-Band eingeordnet werden und auf dem nächsten Album etwas ganz anderes machen wollen, dann werden wir jede Menge Leute enttäuschen, weil wir ein bestimmtes Label haben. Ich mag es nicht, als eine New-Folk-Band bezeichnet zu werden, weil auf dem nächsten Album vielleicht kein Banjo und auch keine Akustikgitarre drauf sein könnten.
Würdet ihr zustimmen, dass in euren Songs etwas Dunkles, Melancholisches steckt?
MM: Es gibt ein paar Stücke am Anfang, die etwas Dunkles haben. Wir haben darauf geachtet, nicht zu melancholisch zu werden. Ein paar Songs sind einfach so, sie wurden zu dem und sie sind echt. Sie handeln von wahren Erlebnissen. Ich glaube, es steckt viel Hoffnung drin, aber der Sound ist manchmal recht düster und sehr voll. Etwas melancholisch, schätze ich.
TD: Wir wollten das Album zu Beginn leicht zugänglich machen. Gegen Ende werden einige Stücke sehr filmisch, größer und vielleicht auch etwas dunkler. Ich genieße die Entwicklung der Platte, in dem Kontext wie es zusammengestellt worden ist. Man wird zum Anfang eingeladen, dann nach unten gedrückt und niedergeschlagen. Es ist brillant.
Marcus, ist es tatsächlich wahr, dass du beim Schreiben der Songs häufig nackt bist?
MM: Ja, das passiert ziemlich oft. Die Sache mit dem Nacktsein, ich habe vor kurzem noch darüber nachgedacht. Ich mag nicht nackt durch die Gegend laufen, da stehe ich nicht drauf. Es soll in Europa Leute geben, die das lieber mögen als andere. Ich mag öffentliche Nacktheit nicht, aber wenn ein geteilter Anlass gegeben ist, stört es mich nicht. Zum Beispiel Nacktschwimmen. Mit einem guten Freund war ich kürzlich Nacktschwimmen in einem Pool in Italien. Spät in der Nacht unter dem Sternenhimmel. So nah habe ich mich noch nie dem Fliegen gefühlt. Mein größter Traum ist, ohne die Hilfe von Maschinen, fliegen zu können. Ich würde gerne fliegen können. Es fühlt sich an, als würde man fliegen, wenn man nackt schwimmt. Wenn es eine geteilte Absicht gibt, finde ich Nacktheit gut. Songschreiben ist eine Absicht. Ich denke, ich würde das wohl sonst nicht tun.
Die BBC, der NME und andere Medien loben euch. Bedeutet euch das etwas?
MM: Wir kennen Bands die schwer gehypt wurden und dann ließ die Presse sie fallen. Man kann also nicht so viel darauf geben. Es ist sehr schön. Und es hilft auch, wenn es bedeutet, dass mehr Leute deine Musik hören und genießen. Das ist toll und das wunderbare an der Presse. Ohne die Online-Presse und Myspace wären wir keine Band. Wir wären eine Band, aber wir würden nicht in der Lage sein zu touren und die Leute hätten nichts von uns gehört. Es ist super, dass es Mund-zu-Mund-Propaganda und Online gibt. Aber man kann dem nicht lange glauben. Wenn jemand auf seiner Webseite eine gute Review schreibt, wird eine Woche später jemand anderes eine schlechte Review schreiben. Von der BBC gehypt zu werden und auf die „Sound Of 2009“ Liste zu kommen oder auf NME’s „Radar“ zu sein, ist wundervoll, aber sie suchen sich eine Woche später eine andere Band dafür aus. Wir müssen machen was wir machen und an uns glauben und nicht ihnen. Wenn wir anfangen würden der Presse zu glauben und nicht mehr uns, wären wir sofort verloren.
Ihr spielt mit einem Kontrabass. Warum ein Kontrabass? Touren dürfte nicht so einfach für euch sein, oder?
TD: Die erste Tour haben wir mit zwei Autos gemacht. Zwei Leute in jedem Auto und all die Gitarren und alles. Wir hatten aber keine Verstärker, nahmen aber einen Kontrabass, Banjo, die Gitarren und ein Akkordeon mit. Wir können sehr leicht reisen, auch wenn wir einen Kontrabass haben.
MM: Der Sound, wenn man einen Kontrabass mit einer Gitarre und einem Banjo zusammenpackt, ist unglaublich.
TD: Das sind Freunde. Der Schall passt einfach. Ein paar Songs spielen wir heute mit einem elektrischen Bass. Es gibt ein paar Stücke die schneller sind und da ist es schwer den Kontrabass zu spielen. Deshalb haben wir es mit einem elektrischen Bass probiert, aber es funktioniert einfach nicht.
MM: Es ist mehr ein schlagender Sound, denn wir haben nicht immer ein Schlagzeug. Wenn man den Kontrabass, die Akustikgitarre und das Banjo zusammenbringt, entsteht ein schlagender Sound. Daher kommt unsere Energie live. Wir mögen einfach den Sound.
Ihr seid mit Noah And The Whale befreundet, die auch aus London kommen und eine Art Folk spielen. Entsteht in London gerade eine Folk-Szene?
TD: Im Moment fühlt es sich so an, als wollten die Leute Musik hören, die vielleicht ein wenig mehr vom Herz kommt, verwurzelt ist und weniger tanzbar. Mehr Musik mit Seele wollen die Menschen hören. Es gibt definitiv mehr Leute in London, die im Moment mehr akustische Instrumente zum Songschreiben benutzen. In den Kreisen, in denen wir uns bewegen, passiert jede Menge aufregendes Zeug. Die anderen Bands beeinflussen uns.
MM: Aber da ist ganz sicher keine Szene.
Wie seid ihr mit dem Musikmachen in Kontakt gekommen? Ist es richtig, dass ein paar von euch früher Jazz gespielt haben?
Marcus Mumford: Winston wuchs mit Heavy Metal auf. Ben und ich waren zusammen in einer Jazz-Band. Ich spielte Schlagzeug, er Piano. Da waren wir so elf oder zwölf Jahre alt. Wir haben Jazz Standards gespielt. Bis wir 18 waren machten wir das. Ted, du hast viel Blues gespielt...
Ted Dwane: Ja. Blues-Gitarre. So habe ich angefangen.
Marcus Mumford: Es war großartig. Mein Schlagzeuglehrer coachte uns irgendwie und zeigte uns, wie man in einer Band spielt. Wir waren zu fünft und es war großartig so früh Jazz und vor allem Jazz-Drums zu lernen. Man muss wirklich sehr genau hinhören was die anderen machen, vor allem vom Schlagzeug ausgehend. Man lernt sehr schnell, wie es ist in einer Band zu sein. Das war sehr wichtig für meine musikalische Erziehung, die natürlich immer noch andauert. Es ist sicherlich ungewöhnlich, aber wir hatten einen guten Jazz-Lehrer an unserer Schule.
Warum der Albumtitel „Sigh No More“?
MM: Es ist eigentlich eine Redewendung aus einem William Shakespeare Stück, das „Much Ado About Nothing“ heißt. Es ist eines meiner Lieblingsstücke von Shakespeare und ich mag ihn sehr. Das tolle an Shakespeare ist, dass man seine Texte klauen kann und dich kein Anwalt anruft, denn er ist schon lange tot. Er ist einer der besten englischen Lyriker aller Zeiten. Man kann ihn also nach belieben benutzen und niemand wird dich anrufen und verklagen. Die Worte in dem Stück machten jede Menge Sinn als ich sie geschrieben habe. Der Anfang von „Much Ado About Nothing“, wenn Beatrice, die Hauptfigur, über Männer und ihre Charaktere spricht. Darum geht es auf dem Album. Sie spricht zu den Frauen und sagt: „Sigh no more, ladies, sigh no more, / men were deceivers ever, / one foot in sea, and one on shore, / to one thing constant never.“ Es wird darüber gesprochen, wie Männer schwanken. Sie versuchen so männlich, hart und stark zu sein. Aber eigentlich sind sie innen drin durcheinander. Sie machen nie das was sie sagen. Gerade als Mann damit umzugehen, darum geht es auf dem Album.
Was inspiriert euch neben anderer Musik?
MM: Ich denke es gibt einen Song der eine Geschichte erzählt. Es ist eine Erzählung. Viele Inspirationen bekommen wir von den Sachen die wir lesen. Winston schrieb „Winter Winds“, das dritte Stück, und er hat viel von Camus gelesen. Er las „Das Spiel“ von Camus und das fließt in den Song mit ein. „Dust Bowl Dance“, das narrative Stück wurde von der John Steinbeck Novelle „Früchte des Zorns“ inspiriert. Das war mein Lieblingsstück von ihm, als wir durch Amerika gefahren sind. „Timshel“ wurde von „Jenseits von Eden “ beeinflusst, ebenfalls ein Stück von John Steinbeck. Ich finde es schwer zu sagen, dass es nur eine Sache gibt, von dem das Album handelt, es ist nicht nur eine Sache die uns inspiriert. Es ist alles und deshalb ist das Album wie ein Tagebuch. Wir werden nicht mehr von Büchern als von Filmen inspiriert und wir werden vom Theater auch nicht mehr als von Musik beeinflusst. Es ist ein großer Melting Pot.
Es steckt viel Bluegrass in eurer Folk-Musik. Spielt der Einfluss amerikanischer Musik eine große Rolle für euren Sound?
TD: Es ist Folk-Musik. Viele der Bluegrass-Wurzeln liegen in der keltischen Musik. Die Folk-Tradition ist eine Generationssache und es geht uns nur um die Songs. Weil da ein Banjo ist denken die Leute vielleicht an amerikanische Einflüsse. Wir hören viel amerikanische Musik wie alle anderen. Geht es um Einflüsse, ist es keine bewusste Sache. Es ist etwas, dass sich einschleicht und dann umgesetzt wird. So läuft das mit Einflüssen.
MM: Bluegrass ist eine großartige Musik, die Leute zusammenbringt und involviert. Jeder kann zu Bluegrass mit dem Fuß klopfen und damit etwas anfangen, selbst wenn man das Banjo hasst. Man kann dem nicht widerstehen. Es hat etwas gemeinschaftliches, das Spaß macht. Und das ist ein großer Teil wie wir seit dem Anfang als Band waren. Wir wollten Spaß haben, die Leute sollen eine gute Zeit haben und tanzen.
Für eure Musik gibt es jede Menge Namen. Folk & Roll ist einer davon. Was haltet ihr davon?
MM: Folk & Roll ist gut. Ich habe keine Ahnung was New-Folk sein soll. Neo-Folk? New-Wave-Folk?
TD: Wenn wir Interviews geben, hören wir das erste Mal von diesen Namen. Folk & Roll ist die einzige Sache, die wir irgendwie mögen, weil wir eine Folk-Band sind, aber sehr laut spielen. Folk & Roll macht irgendwie Sinn.
MM: Wir wollen nicht - keine Band will wirklich ein Label einer ganz bestimmten Sache aufgedrückt bekommen. Wir sind kreative Leute und wollen nicht an einer Sache festgebunden werden. Wenn wir nur als eine Folk-Band oder als eine New-Folk-Band eingeordnet werden und auf dem nächsten Album etwas ganz anderes machen wollen, dann werden wir jede Menge Leute enttäuschen, weil wir ein bestimmtes Label haben. Ich mag es nicht, als eine New-Folk-Band bezeichnet zu werden, weil auf dem nächsten Album vielleicht kein Banjo und auch keine Akustikgitarre drauf sein könnten.
Würdet ihr zustimmen, dass in euren Songs etwas Dunkles, Melancholisches steckt?
MM: Es gibt ein paar Stücke am Anfang, die etwas Dunkles haben. Wir haben darauf geachtet, nicht zu melancholisch zu werden. Ein paar Songs sind einfach so, sie wurden zu dem und sie sind echt. Sie handeln von wahren Erlebnissen. Ich glaube, es steckt viel Hoffnung drin, aber der Sound ist manchmal recht düster und sehr voll. Etwas melancholisch, schätze ich.
TD: Wir wollten das Album zu Beginn leicht zugänglich machen. Gegen Ende werden einige Stücke sehr filmisch, größer und vielleicht auch etwas dunkler. Ich genieße die Entwicklung der Platte, in dem Kontext wie es zusammengestellt worden ist. Man wird zum Anfang eingeladen, dann nach unten gedrückt und niedergeschlagen. Es ist brillant.
Marcus, ist es tatsächlich wahr, dass du beim Schreiben der Songs häufig nackt bist?
MM: Ja, das passiert ziemlich oft. Die Sache mit dem Nacktsein, ich habe vor kurzem noch darüber nachgedacht. Ich mag nicht nackt durch die Gegend laufen, da stehe ich nicht drauf. Es soll in Europa Leute geben, die das lieber mögen als andere. Ich mag öffentliche Nacktheit nicht, aber wenn ein geteilter Anlass gegeben ist, stört es mich nicht. Zum Beispiel Nacktschwimmen. Mit einem guten Freund war ich kürzlich Nacktschwimmen in einem Pool in Italien. Spät in der Nacht unter dem Sternenhimmel. So nah habe ich mich noch nie dem Fliegen gefühlt. Mein größter Traum ist, ohne die Hilfe von Maschinen, fliegen zu können. Ich würde gerne fliegen können. Es fühlt sich an, als würde man fliegen, wenn man nackt schwimmt. Wenn es eine geteilte Absicht gibt, finde ich Nacktheit gut. Songschreiben ist eine Absicht. Ich denke, ich würde das wohl sonst nicht tun.
Die BBC, der NME und andere Medien loben euch. Bedeutet euch das etwas?
MM: Wir kennen Bands die schwer gehypt wurden und dann ließ die Presse sie fallen. Man kann also nicht so viel darauf geben. Es ist sehr schön. Und es hilft auch, wenn es bedeutet, dass mehr Leute deine Musik hören und genießen. Das ist toll und das wunderbare an der Presse. Ohne die Online-Presse und Myspace wären wir keine Band. Wir wären eine Band, aber wir würden nicht in der Lage sein zu touren und die Leute hätten nichts von uns gehört. Es ist super, dass es Mund-zu-Mund-Propaganda und Online gibt. Aber man kann dem nicht lange glauben. Wenn jemand auf seiner Webseite eine gute Review schreibt, wird eine Woche später jemand anderes eine schlechte Review schreiben. Von der BBC gehypt zu werden und auf die „Sound Of 2009“ Liste zu kommen oder auf NME’s „Radar“ zu sein, ist wundervoll, aber sie suchen sich eine Woche später eine andere Band dafür aus. Wir müssen machen was wir machen und an uns glauben und nicht ihnen. Wenn wir anfangen würden der Presse zu glauben und nicht mehr uns, wären wir sofort verloren.
Ihr spielt mit einem Kontrabass. Warum ein Kontrabass? Touren dürfte nicht so einfach für euch sein, oder?
TD: Die erste Tour haben wir mit zwei Autos gemacht. Zwei Leute in jedem Auto und all die Gitarren und alles. Wir hatten aber keine Verstärker, nahmen aber einen Kontrabass, Banjo, die Gitarren und ein Akkordeon mit. Wir können sehr leicht reisen, auch wenn wir einen Kontrabass haben.
MM: Der Sound, wenn man einen Kontrabass mit einer Gitarre und einem Banjo zusammenpackt, ist unglaublich.
TD: Das sind Freunde. Der Schall passt einfach. Ein paar Songs spielen wir heute mit einem elektrischen Bass. Es gibt ein paar Stücke die schneller sind und da ist es schwer den Kontrabass zu spielen. Deshalb haben wir es mit einem elektrischen Bass probiert, aber es funktioniert einfach nicht.
MM: Es ist mehr ein schlagender Sound, denn wir haben nicht immer ein Schlagzeug. Wenn man den Kontrabass, die Akustikgitarre und das Banjo zusammenbringt, entsteht ein schlagender Sound. Daher kommt unsere Energie live. Wir mögen einfach den Sound.
Ihr seid mit Noah And The Whale befreundet, die auch aus London kommen und eine Art Folk spielen. Entsteht in London gerade eine Folk-Szene?
TD: Im Moment fühlt es sich so an, als wollten die Leute Musik hören, die vielleicht ein wenig mehr vom Herz kommt, verwurzelt ist und weniger tanzbar. Mehr Musik mit Seele wollen die Menschen hören. Es gibt definitiv mehr Leute in London, die im Moment mehr akustische Instrumente zum Songschreiben benutzen. In den Kreisen, in denen wir uns bewegen, passiert jede Menge aufregendes Zeug. Die anderen Bands beeinflussen uns.
MM: Aber da ist ganz sicher keine Szene.
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